Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
176
Einzelbild herunterladen
 

176

In einem Häuschen, nahe bei der Pfarrwohnung, wohnteMargarethe Murdockson. Sie hatte einen LieblingSdicner desaltern Staunten, der ihn auf seinen Kriegszügcn begleitet,zum Manne gehabt, und war gleichfalls mit dem Heer inWcstindien gewesen, wo sie dem kleinen Georg als Amme ge-dient. Ihr Mann war todt. Sie lebte hier mit ihrer Tochter,einem hübschen, aber leichtsinnigen und eitlen Mädchen. DieMutter hoffte sic mit einem alten reichen Bauer in der Nach-barschaft zu vcrhcirathen- Georg Staunton verführte sie undverließ bald darauf England. Als er zurückkchrte, fand erMutter und Tochter fortgejagt und seinen Antheil an ihrerSchande und ihrem Elend entdeckt. Sein Vater machte ihmbittere Vorwürfe. In seiner leidenschaftlichen Hitze verließ erdie Heimath, entschlossen, nie wieder dorthin zurückzukehren.

Der Wechsel eines wandernden Lebens brachte ihn nachSchottland, wo er mit Wilson bekannt wurde, dessen kräftigeNatur ihn gewaltsam mit sich sortriß. Bei einer Lustbarkeitin der Vorstadt zu Edinburg lernte er Esfie Deans kennen, diedort ohne Wissen der Ihrigen zugegen war. Er liebte siewahrhaft, war entschlossen sie zu heirathen, seinen Lebenslaufzu bessern, und sie zu Rang und Ehren zu erheben. EineAussöhnung mit seinem Vater, um die er sich deshalb be-mühte, schlug fehl. Robert Staunton hatte von dem schmach-vollen Leben seines Sohnes gehört, schickte ihm eine SummeGeldes und sagte sich auf immer von ihm los. In wilderVerzweiflung nahm der zügellose Jüngling Theil an den ge-fährlichsten Abenteuern Wilsons. Bei einigen derselben habenwir ihn unter dem Namen Robertson kennen gelernt-

In Edinburg fand er auch die alte Murdockson mit ihrerTochter wieder- Diese wahnsinnig, größtentheils durch seineSchuld. Die Mutter, welche ihre Jugend im Lager zugebracht,