Ich kenne das Ding gar zu gut; dreimal in meinem Lebenhabe ich schon dem verteufelten grauen Kerl gegenüber ge-standen, und hier ist Jakob ateliffe noch frisch und gesund,als ob nichts vorgefallen. Hätte ich mir gleich das erstemalmein Schnupftuch fest um den Hals geschnürt, wie mich dieLust dazu anwandelte — und cs war um weiter nichts, alseinen kleinen Grauschimmel, keine zehn Pfund werth — wowäre ich jetzt?"
„Und wie wurdet Ihr befreit?" fragte Jeanie; denn dieserihr früher so verhaßte Mensch erweckte plötzlich ihre Theilnahmedurch die Aehnlichkeit seines Schicksals mit dem ihrer Schwester»
„Wie ich frei wurde?" sagte er lachend; „so lange ich dieSchlüssel habe, soll keiner auf die Weise aus dem Gefängnißkommen, dafür stehe ich Euch."
„Meine Schwester soll bei Hellem Tage hinausgehen," sagteJeanie; „ich will nach London, und den König und die Kö-nigin für sie um Gnade bitten. Wenn sie dem Porteous ver-ziehen, können sie ihr auch verzeihen. Wenn eine Schwesterauf ihren Knieen um ihrer Schwester Leben fleht, werdensie ihr verzeihen — sie müssen ihr verzeihen, und tausendHerzen werden sie dadurch gewinnen."
Effie horchte in starrem Erstaunen, und so hinreißend warihrer Schwester schwärmerische Zuversicht, daß unwillkürlichein Strahl der Hoffnung in ihr dämmerte; doch verschwandderselbe sogleich wieder.
„Ach, Jeanie! der König und die Königin wohnen in Lon-don, tausend Meilen von hier — weit, weit jenseits der See.Ich werde längst todt sein, ehe Du hinkommst."
„Du irrst," sagte Jeanie; „es ist nicht so weit, und mankann zu Lande hinkommen. Rüben Butler hat mir etwasvon dergleichen Dingen gelehrt."