dort etwa eine Stunde in einem Zustande dumpfen Schreckenszugebracht, als die klirrenden Schlösser und Riegel ihres Ker-kers sie aus der Betäubung rissen, und Ratcliffe eintrat. ,.EureSchwester ist da, Essie," sagte er, ,.sie will Euch sprechen."
„Ich kann Niemand sehen," rief sie, durch ihr Elend mehrals je zu bitterer Heftigkeit gereizt, „ich kann Niemand sehen,und am wenigsten sie. — Sagt ihr, sie solle für den alten Mannsorgen. — Ich bin ihnen nichts mehr, und auch sie mir nichts
„Sie will Euch durchaus sprechen," sagte Ratcliffe. Beidiesen Worten stürzte Jeanie herein und schlang die Arme «mihrer Schwester Hals.
Effie suchte sich ihr zu entziehen. „Was hilft's, daß Duhieher kommst und weinst, nun Du mir den Tod gegebenhast? Den Tod, wo ein Wort aus Deinem Munde mich ret-ten konnte- Den Tod, da ich doch unschuldig bin. — Und ichhätte Leib und Seele daran gesetzt, nur Deinen kleinen Fin-ger vor Schaden zu bewahren."
„Du sollst nicht sterben," sagte Jeanie mit feuriger Ent-schlossenheit; „sage, denke von mir, was Du willst; nur —dennich fürchte Dein stolzes Herz — versprich mir, Dir kein Leides an-zuthun, und Du sollst diesen schmachvollen Tod nicht sterben."
„Einen schmachvollen Tod will ich nicht sterben, Mädchen.In meinem Herzen — ist es gleich ein allzu hingebendes ge-wesen — wohnt etwas, das keine Schmach erträgt. Geh heimzu unserm Vater und denke meiner nicht mehr — ich habedie letzte irdische Speise genossen."
„O Gott! dies war'S, was ich gefürchtet," sagte Jeanie.
„Ei, Possen!" sagte Ratcliffe, „Possen! Davon verstehtIhr nichts. Wenn ihnen das Urtheil noch in den Ohren klingt,sollte man meinen, sie hätten alle Herz genug, sich selber zutödten, ehe die sechs Wochen um sind; aber keiner thut es.