77
Diese Frage geschah in einem Tone, der ihr die ganzeWichtigkeit ihrer Antwort begreiflich machen sollte. Sie kanntedieselbe nur allzu gut. Allein die Bahn war gebrochen, undmit geringerem Zögern als zuvor, erwiederte sie jetzt: «Wehmir! Sie sprach niemals eine Sylbe darüber."
Ein dumpfes Seufzen ging durch die Versammlung. Tie-fer und schmerzlicher ertönte es aus der Brust des beklagens-werthen Vaters. Die geheime Hoffnung, an der er sich un-willkürlich gehalten, war nun zerstört, und bewußtlos stürzteder ehrwürdige Greis vorwärts hin, den Kopf zu den Füßender erschrockenen Jeanie gekehrt. Mit leidenschaftlicher Ohn-macht sträubte sich die unglückliche Jeanie gegen ihre Wachen-„Lasst mich zu meinem Vater! — Ich will zu meinem Va-ter! — Ich will zu ihm! Er ist todt. — Ich habe ihn ge-tödtet!" rief sie mit wahnsinnigem Schmerz.
Selbst in diesen Augenblicken der bittersten Angst und einerallgemeinen Verwirrung verlor Jeanie jene Besonnenheit nicht,die sie ihrem tiefen, festen Gemüth verdankte. „Es ist meinVater — es ist unser Vater," sprach sie sanft zu denen, diesie von dem Greise trennen wollten, als sie sich zu ihm nie-derbeugte, sein graues Haar zurückschlug und ihm emsig dieSchläfen zu reiben begann. Tief gerührt gab der Lord Ober-richter Befehl, Vater und Tochter in ein nah gelegenes Zim-mer zu führen und ihnen sorgfältig Hülfe zu leisten. Die Ge-fangene sah ihnen starr nach, als wollten ihre Augen ausihren Höhlen treten, während man den Vater hinaustrug undJeanie langsam folgte. Als sie nicht mehr zu sehen waren,schien sie in ihrem verlassenen, trostlosen Zustande einen Muthzu finden, den sie bis jetzt noch nicht gezeigt. „Das Bittersteist nun vorüber," sagte sie; dann wandte sie sich kühn an das