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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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an ihren Mund drücken, mit Küssen bedecken und inThränen bade»konnte, mit einer Inbrunst, als sei ihre Schutzheilige vomHimmel herabgestiegen, sie zu retten; während Jeanie ihr Ge-sicht mit der andern Hand bedeckte und schmerzlich weinte.Der Anblick war herzzerreißend. Viele der Zuschauer vergossenThräncn Selbst der Lord Oberrichter mußte erst seine Bewe-gung zu bemeistern suchen, um die Zeugin zur Fassung zu er-mahnen, die Gefangene vor den heftigen Ausdrücken des Ge-fühls zu warnen, die Ort und Zeit nicht gestatteten.

Er forderte nun Jeanie den feierlichen Zeugeneid ab: dieWahrheit zu sagen, und keine Wahrheit zu verbergen, so weitsie sie wüßte und darum befragt würde, im Namen Gottes,und wie sie es einst vor Gottes Richterstuhl verantwortenkönnte eine furchtbare Beschwörung, die auch bei den Ver-stocktesten selten ihres Eindrucks verfehlt und selbst die Red-lichsten erschüttert. Jeanie, in der frömmsten Ehrfurcht vorGott erzogen, wurde von dieser feierlichen Anrufung seinesNamens tief ergriffen, doch zugleich über jede andere Rücksichthinweggehoben, als die allein, sich mit reinem Gewissen aufihn berufen zu können. Mit leisem aber deutlichen und ehr-furchtsvollen Tone sagte sie dem Richter Wort für Wort dieEidesformel nach. Als dies beendet war, wandte er sich miteinigen mild ermahnenden Worten an sie, und forderte sienochmals auf, die Wahrheit zu sagen.

Man legte ihr hierauf die üblichen Fragen vor: Ob ihrJemand das Zeugniß, welches sie abzulegen gedenke, vorge-schrieben? Ob ihr Jemand eine Belohnung dafür versprochen?Ob sie irgend einen Groll gegen den Anwalt der Krone,dem sie als Jeugin gegenüberstehe, in ihrem Herzen trage?Sie beantwortete alle diese Fragen mit einem ruhigen Nein.Zu großem Aergerniß aber gereichte der Inhalt derselben