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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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So ver-ärtct Ratcliffe auch war, blieb er doch hierbeinicht ungerührt; und er zeigte sein Mitgefühl auf eine Weise,die mehr Zartheit der Empfindung verrieth, als man von ihmhätte erwarten sollen. Das nicht mit Glasscheiben verseheneFenster des armseligen Kämmerleins war offen, und die Strah-len der Mittagssonne fielen gerade auf das Bett, wo die ar-men Dulderinnen saßen. Mit einer Milde, die etwas Ehr-furchtvolles hatte, schloß Ratcliffe den Laden zum Theil, undschien so einen Schleier über die Trauersccne werfen zu wollen.

Du bist krank, Effie," war das Erste, was Jeanie zu sa-gen vermochte,Du bist sehr krank "

O wäre ich noch tausendmal kränker, Jeanie. Waswürde ich nicht darum geben, todt und kalt dazuliegen, eheder morgende Tag kommt! Und unser Vater aber ichbin sein Kind nicht mehr. Ach, ich habe keinen Freundmehr in der Welt! Läge ich doch draußen auf dem Kirch-hof an der Seite meiner Mutter!"

Ei, Mädchen, wer wird so niedergeschlagen sein!" sagteRatcliffe;es ist schon mancher mit einem blauen Auge davongekommen. Und ein hübsches Mädchen, wie Du, findet Gnadebei Richtern und Gcschworneu, wenn fie einen alten Kerl, wiemich, um den fünfzehnten Theil einer Flohhaut aufhängen."

Diese feinen Trostgründe erhielten keine Antwort; ja, sotief versunken waren die beiden Betrübten in ihren Schmerz,daß fie sogar der Gegenwart Ratcliffe's nicht mehr gedach-ten.O, Effie," sagte endlich die ältere Schwester,wiekonntest Du Dich so vor mir verbergen! Hättest Du nurrin einziges Wort gesagt, Kummer und Schmach wären frei-lich immer noch unser Antheil gewesen, allein dieses furcht-bare Elend konnte uns doch nicht treffen."

Und wozu hätte es geholfen?" fragte die Gefangene.