jener Nachtscene erinnernd, kaum Worte finden, ihm zu sagen,sie bringe eine schriftliche Erlaubniß, ihre Schwester zu scheu.
»Weiß schon, weiß schon," erwiederte er, »und habe oben-drein noch den Befehl dabei zu bleiben."
„Und muß das sein?" fragte Jeanie in bittendem Tone.
„Freilich, mein Kind," versetzte der Schließer; »und wasist's denn für ein Unglück, wenn Jakob Ratcliffe mit anbört,was Ihr sprecht? — Durch Euch braucht er das Weibervolknicht erst besser kennen zu lernen, als cr's ohnedies schonkennt. Und wenn Ihr nicht gerade davon sprecht, das Ge-fängniß zu erbrechen, wird er auch nichts ausplaudern, wederzum Guten noch zum Bösen."
Mit diesen Worten führte er fie in Effie's Zelle.
Scham, Furcht und Kummer hatten in dem Busen derarmen Gefangenen um den Vorrang gekämpft, während fiedieser Zusammenkunft entgegensah. Als aber die Thür sichöffnete, verschmolzen alle jene Empfindungen in ein seltsamverworrenes, mit Freude gemischtes Gefühl, und ihrer Schwe-ster um den Hals fallend, rief die Unglückliche: „Meine liebe,liebe Jeanie! wie lange habe ich Dich nicht gesehen!"
Mit heißer Inbrunst, ja mit Entzücken erwiederte Jeaniediese Umarmung. Allein es war eine vorübergehende Freu-digkeit, wie ein Sonnenblick, der durch Gewitterwolken bricht.Die Schwestern setzten sich auf das kleine Strohbett, Handin Hand, und sahen einander schweigend ins Gesicht. In die-ser Stellung blieben sie eine Minute lang, während der Strahlder Freude nach und nach aus ihren Zügen schwand, und zu-erst eine tiefe Betrübniß und dann die bitterste Seclenangstdarin sichtbar wurde, bis, überwältigt von ihren Gefühlen, siesich auf's Neue einander in die Arme warfen, und laut zuweinen begannen.