Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

3l

und eine rauhe Stimme ihm zurief:In des Königs Na-men, Ihr seid mein Gefangener!"

Seid Jhr's, Herr Scharfenklau?" sagte Ratcliffe verwundert.

Was, zum Teufel, Du bist's? Nnd keiner als Du?" erwie-derte jener in noch größerem Aerger über dies Fehlschlagen sei-ner Erwartung.Warum hast Du das Mädchen verlassen?"

Sie sagte, Robertson sei hier oben, und so lief ich, wasich konnte, den Burschen zu greifen."

Es ist nun Alles umsonst," sagte Scharfenklau;heuteNacht fassen wir ihn nicht mehr. Doch auf schottischem Grundund Boden werde ich ihn zu finden wissen, er müßte sich denn ineine Bohnenhülse verkriechen. Ruf' nur die Andern zurück."

Mit lautem He! und Ho! berief Ratcliffe die Suchendenvon hier und dort, und willig folgten sie dem gegebenenZeichen. Keinem mochte wohl sehr viel darum zu thun sein,einem Tollkühnen wie Robertson, von den Uebrigen fern,Mann gegen Mann zu begegnen.

Und diebcidenWeiber?"sragteScharfenklau;wo find sie?"

Die werden wohl beide ihr Heil in der Flucht gesuchthaben," erwiederte Ratcliffe, und er summte ein Stückchen von

einem Volksliede:

Dann pfeifet nach der schönen Braut,

Die fort ist und entfloh'»."

Es ist schon genug an einem Weibe, den feinsten An-schlag zu Schanden zu machen," sagte Scharfenklau, wie alleSchelme ein großer Verläumder des schönen Geschlechts,wie konnte ich denn solch ein Esel sein, mir cinzubilden, ichwürde etwas durchsetzen, wo zwei im Spiel find? Gut istcs wenigstens, daß ich die lieben Kinder zu finden weiß."

So führte er trüb' und mißmuthig wie ein geschlagenerFeldherr seine Truppen mit ungünstigem Erfolg nach derHauptstadt zurück, und entließ sie für diese Nacht.