19
len Steinen und Felsen, wo einer ausfleht wie der andere,kann ich mich nicht zurechtfinden."
„Was soll das heißen, Ratcliffe?" sagte Scharfenklau,ihn finster anschend; „habt Ihr vergessen, daß Euer Todes-urtheil noch nicht widerrufen ist?"
„Nein, Herr, so was vergißt sich nicht so leicht; und wennmeine Gegenwart nöthig ist, so gehe ich mit. Aber ich wolltenur sagen, daß die Magda Wildfeuer eigentlich Weg undSteg besser kennt als ich."
„Wirklich? Und glaubt Ihr, man könne, toll wie fie ist,sich ihrer Führung anvertraucn?"
„Wie Ihr meint, Herr. — Aber ich würde schon sehen,daß fie bei Laune bliebe, und nicht vom geraden Wege ab-ginge. Das unfinnige Ding treibt sich oft ganze Sommer-nächte in den Bergen dort herum, und schläft auch da."
„Nun, Ratcliffe, wenn Ihr denkt, sie werde uns den rech-ten Weg führen. — Aber seht Euch wohl vor, — Euer Le-ben hängt von Eurem jetzigen Benehmen ab."
„Schlimm fürwahr," dachte Ratcliffe bei sich selbst, „istEiner erst so tief hinein in die Sünde als ich, so kann er garnicht mehr ehrlich sein, er mag's anfangen wie er will."
Diesen Betrachtungen überließ ihn Scharfenklau auf ei-nige Minuten, um die nöthigen Vorbereitungen zu ihremnächtlichen Gang zu treffen-
Der aufgehende Mond sah die Wandernden bereits außer-halb der Stadtmauern. Die Salisbury-Felsen, gleich einemgewaltigen Gürtel von Granit, Athurs Sitz, wie ein ruhen-der Löwe von furchtbarer Größe, lagen im Ncbellicht vorihnen. Sie waren im Anfang vier an der Zahl: Scharfen-klau und ein Häscher, beide wohl bewaffnet mit Pistolen undHirschfängern, Ratcliffe, dem man keine Waffen anvertraut
2»