Unschuld gewiß sind, wie ich nach Ihren Worten glaubenmuß, warum treten Sie nicht auf, ein wahrhaftes Zeugnißfür sie abzulegen, wie Sie cs mit reinem Gewissenkönnen?"
„Zu wem redest Du von einem reinen Gewissen, Weib?"rief er mit plötzlicher Wildheit, die ihr Schrecken erneute; „zumir? Ich habe seit Jahren keins gekannt. Ich für sie Zeug-niß ablegen? Ein trefflicher Zeuge, der diesen Ort und dieseStunde wählen muß, mit einem unbedeutenden Mädchen,wie Du, zu reden! Wenn Du Eulen und Fledermäuse gleichden Lerchen beim Sonnenschein ausfliegen siehst, magst Duerwarten, daß Einer wie ich in den Versammlungen derMenschen erscheine. — Horch, was war das?"
Man hörte aus der Ferne eine jener wilden, eintönigenMelodieen, nach denen die Schotten ihre alten Volkslieder sin-gen. — Die Töne verstummten, und erklangen dann wiedernäher. Der Unbekannte horchte mit gespannter Aufmerksam-keit. Er hielt Jeanie, wie sie bewegungslos vor Schreck nebenihm stand, noch immer am Arme fest, als wollte er einerStörung von ihrer Seite Vorbeugen. Jetzt hörte man deut-licher die Worte des Liedes:
„Schwebt der Falke durch dle Luft,
Liegt die Lerche still;
Schweift der Jagdhund durch den Wald,
Birgt sich scheu bas Reh."
Die Stimme war laut, durchdringend und gewaltsam an-gestrengt, so daß sie weit in die Ferne scholl. Als der Ge-sang schwieg, hörte man ein dumpfes Geräusch, wie von Fuß-tritten und leisem Flüstern. Dann begann der Gesang wie-der, doch war die Melodie verändert: