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Schmerze hingab, der nur der ihrige war. Sie zog den Briefhervor, den man ihr diesen Morgen in's Fenster geworfen.Er war seltsamen Inhalts. „Wenn sie einen Menschen vonder furchtbarsten Schuld und ihren verzweifelten Folgen ret-ten wollte — wenn sle ihrer Schwester Leben und Ehre denblutigen Klauen eines ungerechten Gesetzes zu entreißenwünschte — wenn sie ihren Seelenfrieden auf Erden und ihrewiges Heil jenseits nicht verscherzen wolle" — so lautete diewilde Beschwörung — „würde sie gebeten, dem Briefstellereine sichere, geheime und einsame Zusammenkunft zu gewäh-ren. Sie allein könnte ihn retten, er allein ihre Schwester."— Der Brief sagte ferner, sie dürfe dieser Zusammenkunftgegen Niemand erwähnen, ohne dieselbe durchaus unmöglichzu machen. Er schloß mit den lebhaftesten Betheuerungen,daß für ihre eigene Sicherheit nichts dabei zu fürchten sei.
Die Botschaft des Unbekannten, welche Butler ihr über-brachte, stimmte mit dem Inhalt dieses Schreibens überein,nur daß ein anderer Ort und eine andere Stunde bestimmtwar. Jeanie war mehr als einmal im Begriff gewesen, ih-rem Freunde den Brief zu zeigen, um seinen halb angedeute-tcn Verdacht zu widerlegen. Allein dem Stolz der Unschuldwird cs oft schwer, sich zur Rechtfertigung herabznlaffen;auch schreckte fle das drohende Verbot des Briefes von dieserMittheilung zurück. Dennoch würde sie ihm bei längeremZusammensein ohne Zweifel Alles entdeckt haben, und als dieGelegenheit dazu verschwunden war, that es ihr wehe. Siefühlte, daß sle ungerecht gegen den Freund gewesen, dessentreue Ergebenheit ein vollkommenes Vertrauen verdiente, unddessen verständiger Rath ihr nützlich gewesen wäre.
Ihrem Vater wagte sle jene seltsame Aufforderung nichtmitzutheilen. Man konnte nie voraussehen, wie David DeansKerker von Edinburg. I. 11