140
„Dann, Jeanic," sagte Butler mit tief verletztem Gefühl,„müssen wir freilich kurz abbrechen und einander Lebewohlsagen. Wenn zwischen einem Manne und seiner Verlobten ineinem so wichtigen Punkt kein Vertrauen sein kann, so ist diesein Beweis, daß sie nicht mehr die liebevolle Achtung zu ihm hegt,die ihre Verbindung zu einer sichern und geziemenden macht."
Jeanie blickte ihn an und seufzte. „Ich glaubte," sagte sie,„ich hätte es über mich gewonnen, diese Trennung zu ertra-gen — doch — doch ich dachte nicht, daß wir uns in Unfrie-den trennen würden. Aber ich bin ein Weib und Sie sind einMann — es mag anders mit Ihnen sein. Wenn es Ihr Ge-müth erleichtert, so schlimm von mir zu denken, so will ichSie auch nicht bitten, Ihre Meinung zu ändern."
„Sie sind, was Sie immer gewesen, Jeanic," sagte But-ler, „aus angebornem Gefühl besser, verständiger, weniger selbst-süchtig als ich mit aller Hülfe, welche die Philosophie einemChristen gewähren kann. — Aber warum — warum wollenSie bei einem so verzweifelten Unternehmen beharren? Wa-rum wollen Sie mich nicht zu Ihrem Begleiter, Ihrem Be>schützer, oder wenigstens zu ihrem Rathgeber annehmen?"
„Weil ich es nicht kann und darf," versetzte Jeanie. —„Aber still, was war das? Mein Vater wird doch nicht krankgeworden sein?"
In der That wurden die Stimmen im Wohnzimmer aufeinmal übermäßig laut. Die Ursache war folgende.
Als Jeanie und Butler sich entfernten, ging Sattelbanmauf die Angelegenheit ein, welche die Familie besonders inter-csflrte. Im tiefen Gefühl der Schmach und Gefahr seinerTochter, hatte Deans seine gelehrten Erläuterungen still mitangehvrt, und nur, als er ihm eine Abschrift der Anklagegegen die unglückliche Effie vorlas, ihn gebeten, inne zu hal-