Jeanie war gerade so sehr mit häuslichen Verrichtungen be-schäftigt, daß sie selten einmal Muße zn einem eiligen Besuchbei ihrer Schwester fand. So hatten sich die beiden Mädchenin der letzten Zeit wenig gesehen, und kein schmähsüchtigesGerücht war zu den einsamen Bewohnern von St. Lconard'sgedrungen. Bis zum Tode erschreckt bei dem Anblick ihrerSchwester, überhäufte Jeanie sie mit Fragen, auf welche dieUnglückliche zuerst wilde, unzusammenhängendc Antworten gab,und dann bewußtlos zu Boden sank. Des Verderbens ihrerSchwester nur zu gewiß, hatte Jeanie jetzt nur die angstvolleWahl, ob sie es dem Vater entdecken, oder Alles anwendensollte, es ihm zn verheimlichen- Bei allen Fragen nach Na-men oder Stand ihres Verführers, und nach dem Schicksaldes kleinen Wesens, dem ihr Fall das Dasein gegeben, bliebEffie stumm wie das Grab, dem sie zuzueilcn schien; ja eswar, als ob die Erwähnung dieser Gegenstände sie zum Wahn-sinn brächte. Jeanie in Angst und Verzweiflung, wollte schonzur Frau Sattelbaum eilen, um bei ihr Rath zu holen, undvielleicht dort einiges Licht in dieser unglücklichen Sache zuerhalten, als ein neuer furchtbarer Schlag des Schicksals ihrdiese Mühe ersparte.
David Deans war sehr erschreckt worden durch den zerrüt-teten Gesundheitszustand, in welchem seine Tochter ins Vater-haus zurückkehrte-, doch hatte Jeanie genauere Nachforschungenzu verhüten gewußt. Es war daher dem alten Mann einDonncrschlag, als in der Stunde, die bereits den Lord vonStnmmendeich herbeigeführt, noch andere furchtbare Gästezu St. Lconard's ankamen. Die Diener der Gerechtigkeit wa-ren es, mit einem Verhaftsbefehl ausgerüstet, um Euphemia,oder Effie Deans, des Kindcrmordes angeklagt, aufzusuchenund mit sich zu führen. Die betäubende Gewalt eines so uner-