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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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Sattelbaum nicht entgangen, hätte nicht gerade damals eineKrankheit sie mehrere Monate an ihr Bett gefesselt.

Zn dieser Zwischenzeit grenzte der Zustand der unglückli-chen Effie an Verzweiflung. Mit der äußersten Anstrengungkämpfte ste oft gegen die Anfälle der Schwäche und Ohnmacht,Lenen sie jetzt häufig ausgesetzt war; und so gewaltige Miß-griffe machte sie in ihren Dinstverrichtnngen, daß Bartel Sat-telbaum alle Geduld mit ihr verlor. Denn ohnedies gab esihm nicht die beste Laune, während der Krankheit seiner Frauseinen Licblingszeitvertreib vernachlässigen zu müssen, und nachseinem Geschäft zu sehen. Die Nachbaren und Dienstgenos-scn Effie's bemerkten mit schadenfroher Neugier, oder herab-würdigcndcm Mitleid die veränderte Gestalt, die nachlässigeKleidung und die bleichen Wangen des einst so schönen undnoch immer interessanten Mädchens. Aber keinem ihr Vertrauenschenkend, setzte sie dem Spott Bitterkeit entgegen, der ernstenErmahnung ein hartnäckiges Läugnen oder eine Thränenfiuth.

Unter dem Vorwände der Kränklichkeit erbat Effie endlichvon ihrem Herrn die Erlaubniß, auf einige Wochen zu denIhrigen zuruckzukchrcn, um, wie sie sagte, sich durch den Ge-nuß der Ruhe und freien Luft wieder herzustellen. Und Bar-tel ließ sie gehen, ohne den geringsten Verdacht zu schöpfen.Wie cs sich später fand, war der Augenblick, wo sie Sattel-baum's Haus verließ, von dem ihrer Ankunft zu St. Lconard'sdurch den Zwischenraum von einer Woche getrennt.

Sie, die vor weniger als anderthalb Jahren das väterlicheHaus als jugendlich blühendes Mädchen verlassen, erschien jetztvor ihrer Schwester eher einem Gespenst als einem lebendenWesen ähnlich. Die langwierige Krankheit ihrer Gebieterinhatte ihr in den letzten Monaten einen Vorwand geliehen,nicht aus dem dunklen Bezirk des Ladens hervorzugehcn, und