Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

118

sie meinte ihre Muhme Effie Deans werde sich besonders gutzu diesem Amt schicken.

Der Vorschlag gefiel dem alten David. Effie sollte eingutes Gehalt, freie Beköstigung haben, sie würde unter denAugen der Frau Sattelbaum sein, die eine fromme und red-liche Frau war, und nahe bei der Zvllhauskirche wohnen, wosie die erbaulichen Reden der wenigen Prediger hören könnte,die ihre Knie (nach Deans Ausdruck) nicht vor dem Baal ge-beugt. Nur that cs ihm leid, daß sie unter demselben Dachmit einem so weltlich-klugen Manne wie Bartel Sattelbaumleben sollte. Denn Vater Deans hatte keine Ahnung davon,daß jener ein Dummkopf sei, überzeugt, er besitze alle diercchtswissenschaftliche Kenntnisse wirklich, an welche er Anspruchmachte. Allein dies gab ihm nur eine desto schlechtere Mei-nung von Sattelbaum, und unter andern Ermahnungen gaber seiner Tochter die Warnung mit auf den Weg, sich nichtmit den Grundsätzen eines solchen Weltkindes bekannt zu machen.

Jeauie's Gefühle, als sie sich von ihrer Schwester trennensollte, waren zwischen der Trauer um ihren Abschied, und zwi-schen Hoffnung und Besorgniß getheilt- Auf der einen Seitefürchtete sie den Leichtsinn Effie's und die Versuchungen, de-nen sie ausgesetzt sein könnte. Auf der andern Seite glaubtesie der Klugheit und Wachsamkeit der Frau Sattelbaum völ-lig vertrauen zu dürfen. Auch, meinte sie, würden durchEffie's Entfernung gefährliche Bekanntschaften abgebrochen,die sie, wie zu vermuthen, in der nahen Vorstadt geknüpft-So sah sie denn der Schwester Abreise eher gern als ungern,und nur in dem Augenblick, wo sie zum erstenmal in ihremLeben sich von einander trennen sollten, fühlte sie mit demSchmerz des Abschieds das ganze Gewicht schwesterlicher Sorge-Als sie wieder und wieder sich unter Küssen umschlangen, und