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10 (1851) Der Kerker von Edinburg
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mußte Deans die stete Richtung der Augen des Lords auf Jeaniegar wohl bemerken. Wichtiger als ihm war dieser Umstandjedoch einem andern Mitgliede seiner Familie, einer zweitenGenossin nämlich, mit welcher er zehn Jahre nach dem Todeder ersten das eheliche Band geknüpft. Ein Schritt, von demeinige glaubten, er habe ihn durch Uebereilung gemacht, dennim Allgemeinen war der fromme Deans kein Freund der Ehe,und betrachtete sie vielmehr als ein Nebel, in unserm unvoll-kommenen Zustande nothwendig, und deßhalb zu dulden, wo-durch aber unser geistiger Fittig gelähmt wurde, und unsreSeele an ihre Wohnung von Staub gefesselt. Solche Grund-sätze konnte» ihn jedoch nicht verhindern, sich zwei mal in diesgefährlich umstrickende Band einzulassen.

Rebecca, seine Gattin, hatte keineswegs den nämlichen Ab-scheu vor dem Ehestande, und da sie in ihrem Kopfe Heirathenfür alle Nachbarn in der Runde schloß, ermangelte sie nichtin ehelichen Gesprächen ans eine Verbindung des Lords mitihrer Stieftochter hinzudeuten. Vater Deans pflegte die Stirnzu runzeln, und ihr mit einem langgedehnten Pah! zu ant-worten, wenn sie diesen Gegenstand berührte, doch nahm ergewöhnlich die Mütze und ging hinaus, den dämmernden Strahlwohlgefälligen Lächelns zu verbergen, der sich dann unwill-kürlich über sein strenges Antlitz zog.

Seltne körperliche Reize waren es nicht, welche die stummeAufmerksamkeit des Lords auf Jeanie Deans zogen. Sie warklein und eher ein wenig zu stark für ihre Höhe, hatte graueAugen, hellbraunes Haar, ein rundes, freundlich blickendesGesicht, das die Sonne gefärbt; und ihr einziger vorzüglicherReiz bestand in jenem milden Abglanz unaussprechlicher Heiter-keit und Ruhe, welche ein gutes Gewissen, wohlwollende Ge-