138
weiter: — „Ruft Miß Nevillc — Was soll denn Lady Ge-raldin? ich sagte Eveline Nevillc — nicht Lady Geraldin —'s gibt keine Lady Geraldin — sagt ihr das, und heißt sieihr nasses Kleid ablegen, auch soll sie nicht so bleich sehen.—Das Kind! was sollte sie mit einem Kinde thun? — Jung-frauen haben ja keine Kinder. — Teresa — Teresa — My-lady ruft uns! — Bring' ein Licht, die große Treppe ist sofinster wie um Mitternacht — Wir kommen schon, Mylady!"Mit diesen Worten sank sie auf dem Stuhle zurück und vonda auf den Boden herab.
Edie eilte sie zu unterstützen, aber kaum hielt er sie inseinen Armen, als er sagte: „'s ist Alles aus, sie ist mitdem letzten Worte verschieden."
„Unmöglich." sagte Oldbuck, indem er hastig hinzutnt,was auch sein Neffe that. Aber nichts konnte gewisser sein.Mit dem letzten hastigen Worte, welches ihren Lippen :nt-floh, hatte sie den Geist ausgehaucht; vor den Umsteheidenblieb nichts zurück, als die sterblichen Reste des Wesens, wel-ches so lange mit dem Bewußtsein heimlicher Schuld gekänpfthatte, verbunden mit allem Trübsal des Alters und dwArmuth.
„Gott gebe, daß sie zu einem bessern Orte heimgegangeiist!" sagte Edie, während er den entseelten Körper betracktete; „aber ach! cs lag auf ihrem Herzen irgend Etwas hatund schwer. Ich habe so manchen sterben sehen, auf derSchlachtfelde, so wie im Bette daheim; aber lieber wollt' hsie alle noch einmal sterben sehen, als ein so schreckliches End,wie das ihre!"
„Wir müssen die Nachbarn herbcirufen," sagte Qldbrwnachdem er sich von seinem Schrecken und Staunen etwas e-holt hatte, „und sie von diesem neuen Unfall benachrichtige-