selbst den Schluß herbei. Die arme Lady! sie ward vor derZeit von Wehe» befallen, gebar einen Knaben und starb inmeinen Armen — in den Armen ihrer Todfeindin! Ja, Ihrmögt weinen! sie war ein holdes, liebenswürdiges Geschöpf.Aber meint Ihr, daß ich jetzt um sie trauern kann, wenn ichdamals nicht um sie trauern konnte? — Nein, nein! — Ichließ Teresa bei dem Leichnam und dem neugeborenen Kinde,während ich hinging, um der Gräfin Befehle einzuhvlen, wasnun zu thun sei. So spät es war, weckte ich sie doch, undsie befahl mir, Euren Bruder zu rufen," —
„Meinen Bruder?"
„Ja, Lord Geraldin, Euren Bruder, den sie, wie Einigesagen, zu ihrem Erben wünschte. Jedenfalls war er bei derErbfolge des Hauses Glenallan am meisten betheiligt."
„Uad ist es möglich, zu glauben, daß mein Bruder, umaus Habsucht mein Erbe an sich zu reißen, zu einer so schlech-ten und fürchterlichen List seine Hilfe lieh?"
„Eure Mutter glaubte es," sagte die Alte mit einem teufli-schen Lachen; „ich machte diesen Plan nicht; aber was sie tha-ten oder sagten, will ich nicht sagen, weil ich es nicht hörte.Lange rathschlagten sie in dem schwarzen getäfelten Ankleide-zimmer; und als Euer Bruder durch das Gemach ging, woich wartete, schien es-mir, (und nach der Zeit Hab' ich oft das-selbe gedacht,) daß das Feuer der Hölle in seinem Gesicht undBlicke brannte. Aber er hatte einen Theil davon seiner Mut-ter überlassen. Sie trat in das Zimmer wie ein wahnsinnigesWeib und ihre ersten Worte waren: „Elsbeth Chcyne, hastdu je eine frisch entknospete Blume gepflückt?" Ich antwortete,wie natürlich, daß ich das oft gethan hätte; „dann," sagte sie,„wirst du um so besser wissen, wie die verbrecherische und ketze-rische Knospe zu vertilgen ist, die in dieser Nacht zur Schmack