die traurige Geschichte zu erzählen. — Wohlan, Mylord! DieGräfin sagte zu mir; „Mein Sohn liebt Eveline Neville —sie find einig — sie sind verlobt; — sollten sie einen Sohnerhalten, so ist mein Recht auf Glenallan erloschen. Von die-sem Augenblicke sinke ich von einer Gräfin zu einer elelidenWittwe mit einem Jahrgehalte herab. Ich, die ich meinemGemahl Land und Vasallen, edles Blut und alten Ruhmbrachte, ich müßte aufhören, Gebieterin zu sein, sobald meinSohn einen männlichen Erben bekäme- Aber ich habe deshalbkeine Sorgen; hätte er eine Andre, als aus dem verhaßtenHause Neville, geheirathet, so würd' ich ruhig sein. Aber daßsie — daß sie und ihre Nachkommen das Recht und die Ehrenmeiner Ahnen genießen sollten, das geht mir durch's Herz,wie ein zweischneidiges Schwert. Und dieses Mädchen — ichverabscheue sie!" — Und ich antwortete, denn mein Herz ent-brannte bei ihren Worten, daß mein Haß dem ihrigen gleich sei."
„Elende!" rief der Graf, trotz seines Entschlusses, Still-schweigen zu beobachten. — „Elendes Weib! aus welchemGrunde konntest du ein so sanftes und unschuldiges Wesen Haffen!"
»Ich haßte, was meine Gebieterin haßte, wie es stetsBrauch war bei den Lehcnsleuten des Hauses Glenallan;denn, Mylord, obwohl ich unter meinem Stande heirathete,so ging doch keiner Eurer Ahnen je in's Schlachtfeld, demnicht ein Vorfahr des schwachen, wahnwitzigen, alten, un-nützen Geschöpfs, welches jetzt mit Euch redet, den Schild vor-getragen hätte. — Aber das war nicht Alles," fuhr sie fort,deren irdische und übele Leidenschaften wieder erwachten, wäh-rend sie warm bei der Erzählung wurde; „das war nicht Al-les. — Ich haßte Miß Eveline Neville ihrer selbst willen; ichbegleitete sie aus England, und während der ganzen Reiseverspottete sie meine nordische Sprache und Sitte, wie es ihre