Druckschrift 
9 (1851) Der Alterthümler
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

45

Löwe vertheidigt, ergriffen, und von den Richtern verhört undverurtheilt, zur gerechten Strafe für den Friedensbruch und dieVerletzung der geheiligten Person des Herolds, seine rechte Handzu verlieren, alle Rechte des Adels, deren er unwürdig, einzu-büßen und aus der Stadt gejagt zu werden. Als man ihm dieWaffen abgcnommen und er die von den Richtern bestimmte Ver-stümmelung erlitten hatte, ward das unglückliche Opfer des Ehr-geizes dem Pöbel übergeben, der cs mit Drohungen und Schimpf-reden verfolgte, Waldcck bald einen Schwarzkünstler, bald einenTyrannen nannte und sich endlich selbst Mißhandlungen erlaubte.Seinen Brüdern (sein übriges Gefolge war geflohen und zer-streut,) gelang es endlich, ihn aus den Händen des Pöbels zubefreien, nachdem ihn dieser, in seiner Grausamkeit gesättigt,halb todt durch Blutverlust und Mißhandlungen hatte liegenlassen. Sie durften ihn aber, so weit ging die sinnreiche Grau-samkeit ihrer Feinde, auf keine andere Weise entfernen, als aufeinem Kohlenkarren, wie sie ihn selbst früher gebraucht hatten;darauf legten sie ihren Bruder auf einem Bund Stroh nieder,während sich kaum erwarten ließ, daß man einen andern Zufluchts-ort erreichen werde, ehe der Tod ihn von seinem Elend befreite.

Als die Waldecke, in diesem kläglichen Zustande ihren Wegfortsetzend, die Gränze ihrer Heimath erreicht hatten, bemerktensie in einem Hohlweg zwischen zwei Bergen eine Gestalt, die sichihnen näherte, und die beim ersten Anblick ein alter Mann zu seinschien. Als er aber näher kam, wuchsen seine Glieder unddie ganzeGestalt, der Mantel sank ihm von den Schultern, sein Wander-stab verwandelte sich in einen entwurzelten Fichtcnstamm, unddie gigantische Gestalt des Harzgcistes stand in ihren Schrecknissenvor ihnen. Als er dem Karren, worauf der unglückliche Waldecklag, gegenüber stand, verzerrten sich seine groben Züge zu einemGrinsen voll unaussprechlicher Verachtung und Bosheit, während