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9 (1851) Der Alterthümler
Entstehung
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Sie ging hinab und fand den Bettler, halb sitzend, halblehnend, auf der Bank beim Fenster. Edie Ochiltrce, obwohler ein alter Mann und ein Bettler war, war sich doch offen-bar des günstigen Eindrucks bewußt, den seine hohe Gestalt,seine gebieterischen Züge und der lange weiße Bart hervor-brachten. Er ließ sich daher selten in einer Stellung sehn, diediese persönlichen Vorzüge nicht im besten Lichte gezeigt hätte.

Jetzt, wie er so halb zurückgelehnt da lag, mit den ge-furchten, aber kräftig gebräunten Wangen, dem muntern, nachdem Himmel gerichteten Auge, neben sich den Stab und Bet-telsack, und im Blicke den Ausdruck schlichter Klugheit unddoch auch sarkastischen Spottes, als er einen Augenblick imHofe umherspähte, und dann das Auge wieder, wie vorheraufwärts richtete, so hätte ihn wohl ein Künstler zum Mo-dell eines alten Philosophen der cynischen Schule nehmen kön-nen, wie er über die Nichtigkeit menschlicher Bestrebungen undüber das Unsichere irdischer Güter nachsann, und nach derQuelle umherschaute, aus welcher allein alles bleibende Gutekommen könnte. Die junge Dame, als sie ihre schlanke undzierliche Gestalt am offenen Fenster zeigte, (welches jedochvom Hofraum durch ein Gitter getrennt war, mit dem, nachder Gewohnheit früherer Zeit, die untern Fenster des Schlos-ses geschützt waren,) gab etn anziehendes Bild anderer Art,und konnte von einer romantischen Einbildungskraft für eingefangenes Mädchen gehalten werden, welches einem Pilgerdie Geschichte ihrer Leiden mitthcilte, damit er die Tapferkeitjedes Ritters, dem er anfseiner Wallfahrt etwa begegnen würde,auffordern möchte, steaus ihrer harten Gefangenschaft zu erlösen.

Nachdem Miß Wardour in Ausdrücken, wie sie ihr die pas-sendsten schienen, den Dank ausgesprochen hatte, den der Bett-ler ablehnte, weil er weit über sein Verdienst sei, so begann