97
„Euren Schuß, hohe Frau," stotterte die Unglücklichehervor.
„Jede Tochter Englands hat Antheil daran, so lange siedesselben würdig ist," versetzte die Königin: „doch Euer Kum-mer scheint einen liefern Grund zu haben, als eine vergesseneRolle. Warum und zu welchem Zweck nehmt Ihr UnfernSchutz in Anspruch?"
Emma besann sich rasch, was sie am besten sagen könne,um sich aus der drohenden Gefahr zu erretten, ohne ihrenGemahl in Verlegenheit zu bringen, und vermochte emlich,während ein Gedanke den andern verdrängte, auf die wieder-holte Frage der Königin nichts weiter zu erwidern als: „Ach!ich weiß es nicht "
„Das ist Wahnsinn, Mädchen," sagte Elisabeth ungedul-dig, denn es lag Etwas in der äußersten Verwirrung derFlehenden, was ihre Neugierde erregte und sie zur Theilnahmestimmte. „Der Kranke muß dem Arzte seine Krankheit sa-gen, und Wir sind nicht gewohnt, Fragen so oft zu wieder-holen, ohne eine Antwort zu erhalten."
„Ich bitte — ich flehe," stotterte die unglückliche Gräfinhervor — „Ich bitte um Euren gnädigen Schutz — gegen —gegen einen gewissen Varney." Sie wäre beinahe an demunheilvollen Worte erstickt, worauf die Königin sogleich einfiel.
„Was, Varney? — Sir Richard Varney? — der Dienst-mann des Lord Leicester? — Was bist Du ihm Mädchen,oder was ist er Dir?"
„Ich — ich — war seine Gefangene — er stellte meinemLeben nach — und ich entfloh, um — um —"
„Dich in meinen Schutz zu begeben, ohne Zweifel," sagteElisabeth. „Er soll Dir zu Theil werden, — das heißt, wennDu desselben würdig bist; denn Wir wollen diese Sache aufsKcnilworlh. III. 7