Druckschrift 
8 (1851) Kenilworth
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

55

Ein Dichter, Ihre Majestät," versetzte Raleigh.

Ich hätte dies aus seiner nachläßigen Kleidung schließenkönnen," sagte Elisabeth.Ich habe Dichter gelaunt, die sogedankenlos waren, ihren Mantel in den Rinnstein zu werfen"

Da muß die Sonne gerade ihre Augen und ihren Ver-stand geblendet haben," antwortete Raleigh.

Elisabeth lächelte, und fuhr fort:Ich fragte Euch nachdem Namen jenes unordentlichen Burschen, und Ihr habt mirnur seine Profession genannt."

Tressilian ist sein Name," sagte Raleigh mit inneremWiderstreben, denn er sah in der Art, wie sie Notiz von ihmnahm, nichts Günstiges für seinen Freund-

Tressilian!" antwortete Elisabeth.O, das ist ja derMenclaus unseres Romans. Er ist auf eine Weise gekleidet,die seine schöne und ungetreue Helena einigermaßen entschuldigt.Und wo ist Farnhan, oder wie er heißen mag, ich meineLord LeicesterS Dienstmann der Paris dieses Romans ausDcvonshire."

Mit noch größerem Widerwillen nannte Raleigh Varney,und zeigte auf ihn. Für Varney hatte der Schneider allesMögliche gethan, um sein AeußereS angenehm zu machen; undwenn ihm auch keine Grazie eigen war, so besaß er doch einengewissen Tact, der dieselbe ersetzte.

Die Königin wendete ihr Auge von dem Einen auf denAndern:Dieser poetische Herr Tressilian ist ohne Zweifel zugelehrt, um sich zu erinnern, in wessen Gegenwart er sich be-findet, und gehört wahrscheinlich zu Denen, von welchen Gott-fried Chaucer witzig sagt: die weisesten Gelehrten find nichtimmer die weisesten Männer. Ich erinnere mich, daß Varneyein glattzüngiger Schurke ist- Vielleicht hatt^ diese schöne Un-getreue Gründe, ihr Wort zu brechen."