Er sah endlich selber die Nothwendigkeit ein, sich mit an-dern Gegenständen zu beschäftigen, und zu diesem Zwecke ver-ließ er den Garten, um sich unter das lärmende Gedränge anden Mauern zu mischen und die Vorbereitungen zu den Fest-spielen mit anzusehen. Doch als er den Garten verließ unddas geschäftige mit Musik und Gelächter vermischte Gesummehörte, welches ihn umgab, empfand er eine unwiderstehlicheAbneigung, sich unter die Gesellschaft zu mischen, deren Ge-fühle von den seinigcn so verschieden waren, und beschloß,sich auf das ihm angewiesene Zimmer zurückzuziehen und sichmit Lcctüre zu beschäftigen, bis das Läuten der großen Glockeihm die Ankunft der Königin verkünden werde.
Tressilian ging daher an der ungeheuren Reihe von Küchenund an der großen Halle vorbei, und stieg in das dritte Stock-werk des MervynthurmeS. Als er die Thüre des ihm ange-wiesenen kleinen Zimmers öffnen wollte, war er erstaunt, sieverschlossen zu finden. Dann erinnerte er sich, daß der Unter-kämmcrer ihm einen Hauptschlüffcl gegeben, und ihm gerathenhabe, bei der jetzigen Verwirrung im Schlosse, seine Thüresoviel als möglich verschlossen zu halten. Er steckte daher denSchlüssel in das Schloß, die Thür öffnete sich, er trat einund sah in demselben Augenblicke eine weibliche Gestalt imZimmer sitzen — es war Emma Robsart. Sein erster Ge-danke war, daß seine erhitzte Phantasie ihm dieses Bild vorAugen stelle; sein zweiter, daß er eine Erscheinung sehe —die bleibende Ueberzeugung war, daß es Emma selber sei,freilich blässer und abgezehrter, als in den Tagen ihres unbe-fangenen Glückes, als sie die Gestalt und Gesichtsfarbe einerWaldnpmphe mit der Schönheit einer Sylphide vereint hatte;doch war es immer Emma, und an Liebenswürdigkeit unüber-troffen von Allem, was er je gesehen.
Kenttworth. III.
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