bitte Dich, als die letzte Bemühung, die Du für eine un-glückliche Dame haben sollst, diesen Brief an den edlen Gra-fen von Leicester zu überbringen. Möge er ausgenommenwerden, wie er will," sagte sie mit einem Ausdrucke, derzwischen Hoffnung und Furcht schwebte, „Du, guter Mann,sollst keine Mühe mehr durch mich haben. Doch ich hoffe dasBeste, und wenn je eine Dame einen armen Mann reichmachte, so hast Du es gewiß an mir verdient, sollten meineglücklichen Tage je zurückkehren. Ich bitte Dich, diesen Briefin Lord Leicesters eigene Hände zu übergeben, und zu beob-achten, wie er aussteht, wenn er ihn empfängt."
Wayland übernahm bereitwillig den Auftrag, bat aberdie Dame dringend, einige Erfrischungen zu sich zu nehmen,was ihm auch endlich mehr wegen seiner Zudringlichkeit undihres Wunsches, ihn gehen zu sehen, gelang, als weil dieGräfin sich geneigt fühlte, seine Bitte zu erfüllen. Dannverließ er sie mit dem Rathe, ihre Thüre von Innen zu ver-schließen und ihr kleines Zimmer nicht zu verlassen, und ging,eine Gelegenheit aufzusuchen, sich seines Auftrags zu entledi-gen, sowie auch einen Vorsatz auszuführen, den er gefaßt hatte.
Aus dem Benehmen der Dame während der Reise, ausihrem langen und tiefen Schweigen — aus der Unentschlos-senheit und Ungewißheit, die sich in allen ihren Bewegungenzu zeigen schien, sowie aus der gänzlichen Unfähigkeit, fürsich selber zu denken und zu handeln, kam Wayland auf dienicht unwahrscheinliche Ansicht, daß die Schwierigkeit ihrerLage ihren Verstand angegriffen habe.
Als sie aus Cumnor Place entfloh, wäre es das Vernünf-tigste gewesen, in das Haus ihres Vaters, oder irgend sonstwohin zu entfliehen, wo sie außer dem Bereiche Derjenigengewesen, von denen ihr diese Gefahren bereitet wurden. Als sie