so viel hatte Jcannctte in ihrer kurzen Unterhaltung mitWayland erfahren. Sie war daher im Ganzen mit der Ab-sicht ihrer Lady, nach Kenilworth zu gehen, zufrieden, worübersie sich auch gegen die Gräfin aussprach, indem sie ihr dieäußerste Vorsicht ancmpfahl, wenn sie ihrem Gatten ihre An-kunft bekannt mache.
„Bist Du auch selber vorsichtig gewesen, Jeannette?"sagte die Gräfin; „hast Du nicht diesem Führer, auf den ichmein Vertrauen sehen muß, das Gehcimniß meines Verhält-nisses anvertraut?"
„Von mir hat er nichts erfahren," sagte Jeannette, „auchglaube ich nicht, daß er mehr weiß, als man im Allgemeinenvon Eurem Verhältnisse zu wissen glaubt."
„Und was ist das?" fragte die Lady.
„Daß Ihr das Haus Eures Vaters verlassen — aber ichwerde Euch wieder beleidigen, wenn ich fortfahre," sagte Jean-nette, sich selber unterbrechend.
„Nein, fahre fort," sagte die Gräfin; „ich muß den üblenRuf ertragen lernen, den meine Thorheit über mich gebrachthat. Man glaubt vermuthlich, daß ich das Haus meines Va-ters verlassen habe, um mich ungesetzlicher Liebe hinzugcben— es ist ein Jrrthum, der bald aufhörcn wird — denn ichwill mit unbeflecktem Rufe leben, oder mein Leben enden. —Man hält mich also für Leicesters Buhlerin?"
„Die Meisten für Varney's," sagte Jeannette; „dochEinige nennen ihn nur den Deckmantel der Ausschweifungenseines Herrn; denn die verschwenderische Ausstattung jenerZimmer ist bekannt geworden, und zu dergleichen hat Varneynicht die Mittel. Doch die letztere Meinung ist nur wenig imUmlauf; denn die Leute wagen kaum einen solchen Verdachtanszusprcchen, wenn von einem so hohen Namen die Rede ist,