187
was sie erlebt hatte, hielt sie sich nicht blos gerechtfertigt, son-dern auch ausdrücklich verbunden, die Befreiung der Lady zudem hauptsächlichsten Gegenstände ihrer Sorgfalt zu machen,und alle andern Rücksichten bei Seite zu sehen.
Die fliehende Gräfin und ihre Führcrin gingen mit hastigenSchritten den unebenen Weg dahin, welcher einst ein beschnitte-ner Baumgang gewesen mar, jetzt gänzlich verfinstert durch dieZweige der weitausgcbreiteten Bäume, die sich oben vereinigten,und nur ein ungewisses Licht von dem Scheine des Mondesdurchlicßen. Ihr Weg wurde mehrmals durch gefällte Bäume,oder große Haufen von Buschwerk unterbrochen, die man amBoden hatte liegen lassen, um sie bei gelegener Zeit zurechtzu hauen und in Bündel zusammen zu binden. Die Unbequem-lichkeit und Schwierigkeit, welche diese Unterbrechungen gewähr-ten, die athemlose Hast, mit der sie den ersten Theil ihrer Wan-derung zurücklegten, die erschöpfenden Empfindungen der Hoff-nung und Furcht griffen die Kräfte der Gräfin so sehr an, daßJeannette zu dem Vorschläge genöthigt war, einige Minutenstill zu stehen, um wieder zu Athem zu kommen und Kraft zusammeln. Beide standen daher unter dem Schatten einer un-geheuren alten Eiche still, und natürlich blickten Beide nachdem Hause zurück, welches sie hinter sich gelassen, dessen langedunkle Fronte in der trüben Ferne zu sehen war, mit denungeheuren Schornsteinen, Thürmchen und dem Glockenhause,die sich über die Linie des Daches erhoben und deutlich gegendas reine Azurblau des Svmmerhimmels abstachen. Nur eineinziges Licht schimmerte aus der großen dunklen Masse hervor,und war so niedrig, daß es auf ebener Erde vor dem Hausezu sein, und nicht aus einem der Fenster zu kommen schien.Die Gräfin erschrak. „Sie folgen uns!" rief sie, indem sieauf das Licht deutete, welches sie beunruhigte.