165
Len Wunsch auszusprechen schien, das Schicksal ihrer Gebiete-rin zu erfahren, und zugleich andentete, daß sie ein Gebetfür ihr Wohl zum Himmel sende. Anton Fester schien eini-germaßen zu begreifen, was in der Seele seiner Tochter vor-ging, denn als er durch's Zimmer schritt, faßte er ängstlichihre Hand und sagte: „Das ist recht, Jeauncttc, bete, bete!— Wir Alle bedürfen des Gebets, doch Einige von uns mehrals Andere- Bete, Jeannette; ich selber würde beten, dochich mnß hören, was da drinnen vorgeht. — Bose Dinge sindim Werke, mein Kind — böse Dinge sind im Werke! Gottvergebe uns unsere Sünden, aber Varney's plötzliche undseltsame Ankunft bedeutet nichts Gutes."
Jeannnette war noch nie von ihrem Vater aufgcfordert,noch ihr von ihm erlaubt worden, auf Etwas zu achten, wasin ihrer geheimnißvollen Familie vorging, und jetzt, da er esthat, klang ihr seine Stimme — sie wußte nicht, wie es kam —wie Eulengeschrei in die Ohren, welches eine That des Schre-ckens und Entsetzens verkündete. Sic richtete ihre Augenfurchtsam auf die Thllre, als ob sie von dorther Töne desSchreckens, oder einen Anblick zu erwarten habe.
Doch Alles war still, wie das Grab, und die StimmenDerer, welche im inncrn Zimmer sprachen, wenn sie überhauptsprachen, waren so gedämpft, daß man sie in dem anstoßendennicht vernehmen konnte. Plötzlich aber hörte man sie schnellund lebhaft reden und gleich darauf rief die Gräfin im höchstenUnwillen: „Oeffnet die Thüre, mein Herr! ich befehle Euch,öffnet die Thüre. — Ich will keine andere Erwiderung!" fuhrsie fort, indem ihre Heftigkeit die Worte übertönte, welcheVarney mit leiser und gedämpfter Stimme zu erwidern schien.„Ihr da draußen!" rief sie mit Angstgeschrei, „Jeannette,rufe das Haus zusammen! Fester, erbrecht die Thüre! Ein