Druckschrift 
8 (1851) Kenilworth
Entstehung
Seite
90
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Königin. »Herr Philipp Sidney ist, wie Wir wissen, einLiebling der Musen, was Uns sehr lieb ist. Tapferkeit er-scheint nie in glänzenderem Lichte, als wenn sie mit Geschmackund Liebe zn den Wissenschaften vereint ist. Doch gewiß gibtes unter Unser» jungen Hoflcutcn Einen, der sich der Verseerinnert, welche Mylord bei wichtigeren Angelegenheiten ver-gessen hat. Herr Trcssilian, Ihr seid mir als ein Ver-ehrer Minervens geschildert erinnert Ihr Euch nicht dieserVerse?«

Trcssilian's Herz war zu schwer, seine Hoffnungen zugrausam vernichtet, um die gebotene Gelegenheit zn benutzen,die Aufmerksamkeit der Königin ans sich zu ziehen. Er be-schloß aber, diesen Vortheil seinem ehrgeizigeren jungen Freundezuznwenden, und sagte, indem er Mangel an Gedächtniß vor-schützte, die schönen Verse, welche der Graf von Lciccstcr er-wähnt habe, werde Herr Walter Raleigh wahrscheinlich aus-wendig wissen.

Ans Befehl der Königin rccitirte dieser Cavalier die be-rühmte Vision des Oberon mit solchem Ausdrucke, daß dieZartheit und Schönheit des Gedichtes dadurch noch mehrhervorgchvbcn wurde:

Zugleich sah ich (du konntest'S nichi>

Zwilche» dem kalten Monde und der Erd'

Cupid' einher in volle» Waffen fliegen,

Er zielt' mit sicher»! Blick ans eine schöneVestalin, die im Westen thront, und sendet'

Mit solcher Allgewalt den Pfeil vom Bogen,

Als sollt' er hunderttansend Herzen spalten;

Doch sah ich Amor« feuriges GeschoßIm keuschen Silberschein des Monds erlöschen,lind die geweihte königliche JungfrauGing weiter, reinen Sinnes, licbefrei.