Druckschrift 
8 (1851) Kenilworth
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

II»

lin das obere Ende der Tafel ein, Varney und Fester setztensich unterhalb des Tafelaufsatzes, wie es die damalige Sitteden Untergebenen vorfchricb. Fester, dem es vielleicht in ei-ner ihm so ungewohnten Gesellschaft unbehaglich war, sprachwährend der Mahlzeit keine Sylbe; Varney dagegen nahmmit vielem Schicklichkeitsgefühl gerade so viel Anthcil an derUnterhaltung, als ohne Anschein von Zudringlichkeit seiner-seits nöthig war, sie zu beleben, und die gute Laune des Gra-fen bis zum höchsten Grade zu steigern. Zn der That marauch dieser Mann von der Natur mit allen den Eigenschaftenbegabt, welche für den Platz, auf dem er stand, erforderlichwaren. Eben so bescheiden und umsichtig, als witzig und er-finderisch, wußte er selbst die Gräfin, so sehr sie auch ausmehreren Gründen gegen ihn eingenommen war, so für sich zugewinnen, daß fle, durch den Geist seiner Unterhaltung ange-zogen, weniger als sonst abgeneigt war, in die Lobsprüche ein-zustimmen, womit der Graf seinen Günstling überhäufte.Endlich war die Stunde der Ruhe gekommen, der Graf unddie Gräfin zogen sich in ihr Schlafgemach zurück, und die tiefsteStille herrschte den übrigen Theil der Nacht auf dem Schlosse.

Früh Morgens verrichtete Varney bei dem Grafen das Amtseines Kammerdieners sowohl als das seines Stallmeisters; ob-gleich das letztere eigentlich die Stelle war, die er in jenem glän-zenden Haushalte bekleidete, wo Ritter und Edelleutc von guterAbkunft eben so willig ähnliche Dienste versahen, als cs bei Mit-gliedern des höhere» Adels im Dienste des Königs der Fall war.Mit allen diesen Dienstleistungen war Varney vertraut, der auseinem alten aber herabgekommeucn Hause stammte, in jüngerenJahren des Grafen Page gewesen war, und, seinem Herrnauch im Mißgeschick treu, sich diesem späterhin, als er sich zuglänzendem Glücke erhob, nicht weniger nützlich zn machen