Druckschrift 
8 (1851) Kenilworth
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

95

mich von diesem Orte zu entfernen, daß ich gern glauben will,er habe meines Vaters Krankheit sehr übertrieben, und Eureerfreulichere Kunde sei die wahre."

Glaubt mir, daß sle es ist, Mylady," antwortete Barney;ich behaupte nicht, ein Kämpfer für jene nackte Tugend,Wahrheit genannt, zu sein- Ich lasse es geschehen, wenn manihre Reize mit einem Schleier bedeckt, und wäre es auch nurdes Anstandes wegen. Doch Ihr müßt geringer von meinemKopf und Herzen denken, als es einem Manne gebührt, denmein edler Gebieter seinen Freund nennt, wenn Ihr glaubt,ich könnte Euch absichtlich und unnöthigerweise in einer Sache,die Euer Glück betrifft, eine so leicht zu entdeckende Unwahr-heit berichten."

Herr Barney," sagte die Gräfin,ich weiß, daß MylordEuch achtet und für einen treuen und guten Piloten in diesenSeen hält, wo er seine Segel so hoch und kühn gespannt hat.Glaubt deshalb nicht, daß ich Böses von Euch dachte, als ichzu Tressilians Rechtfertigung die Wahrheit sagte. Ich binauf dem Lande geboren, wie Ihr wißt, und halte mehr auf dieschlichte Wahrheit der Landlcute, als auf Complimcnte, wie siebei Hofe gebräuchlich sind) doch werde ich vermuthlich meineGewohnheiten in meiner neuen Sphäre ändern müssen."

Es ist wahr, Madame," sagte Barney lächelnd,und ob-wohl Ihr jetzt im Scherze redet, so wäre es doch nicht übel,wenn Eure Worte mit Eurer wirklichen Absicht in Verbindungträten. Eine Hofdame zum Beispiel, selbst die edelstetugendhafteste tadelloseste von Allen, die um den Thron derKönigin stehen, würde sich wohl gehütet haben, vor demBegleiter und Vertrauten ihres edlen Gemahls etwas zumLobe ihres verabschiedeten Geliebten zu sagen."

Und warum," sagte die Gräfin ungeduldig, indem sie