den ich auf Mylords Befehl dorthin schickte, fand den gutenRitter auf der Jagd, seine Spürhunde mit seinem gewohntenjovialen Jagdrufe crniuthigend. Ich bin überzeugt, Tressilianhat diese Nachricht nur erfunden. — Er hat seine Gründe,Madame, wie Euch sehr wohl bekannt ist, Euer gegenwärti-ges Glück zu stören."
„Ihr thut ihm Unrecht, Herr Varney," versetzte die Gräfinlebhaft, — „Ihr thut ihm großes Unrecht. Er hat das frei-müthigste, offenste und edelste Herz von der Welt. — Außermeinem verehrten Lord habe ich noch Niemand gekannt, demFalschheit verhaßter wäre, als Tressilian."
„Ich bitte um Verzeihung, Madame," sagte Varney, „ichwollte dem Herrn kein Unrecht thun — ich wußte nicht, daß Ihrso viel Antheil an ihm nehmt. In manchen Fällen kann manaus guten und edlen Gründen die Wahrheit verhehlen; dennmüßte man immer und bei allen Gelegenheiten die Wahrheitreden, so käme man nicht durch die Welt."
„Ihr habt das Gewissen eines Höflings, Herr Varney,"sagte die Gräfin, „und Eure Wahrheitsliebe wird, wie es scheint,Eurem Fortkommen in der Welt nicht im Wege stehen. — Aberwas Tresstlian betrifft — dem muß ich Gerechtigkeit wider-fahren lassen, denn ich habe ihm Unrecht gethan, wie Niemandbesser weiß als Ihr. Trcssilians Gewissen ist aus anderemStoffe gebildet. — Die Welt, von der Ihr redet, könnte ihmnichts bieten, was ihn von dem Pfade der Wahrheit und Ehreweglvcken, noch seinen Ruf beflecken möchte; eher würde derHermelin die Höhle des schmutzigen Iltis zu seiner Wohnungerwählen. Deshalb liebte ihn mein Vater — und deshalbwürde auch ich ihn geliebt haben, wenn ich es gekonnt hätte-Zwar hatte er in diesem Falle, unbekannt mit meiner Verhei-rathung und der Person meines Gemahls, so dringende Gründe,