Druckschrift 
7 (1851) Guy Mannering
Entstehung
Seite
87
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Water seine Briefe aufgefangen haben ? Aber nein; das wäre ganzgegen seine Grundsätze ich glaube nicht, daß er einen Brief anmich heute Nacht öffnen würde, könnt'er auch damit verhüten, daßich morgen früh auS dem Fenster spränge. Welch'ein Wort hab'ichda meiner Feder entschlüpfen lassen! ich sollte mich desselben schä-men, selbst vor dir, Matildc, und obwohl cs im Scherz gesagtward. Aber ich brauche es nicht für verdienstlich zu halten, daßich handle, wie ich muß. Dieser Mr. Vanbeest Brown ist keines-wegs ein so glühender Liebhaber, daß er den Gegenstand seinerNeigung zu so unbedachten Schritten verleiten sollte. Er gibtvolle Zeit zum Ueberlegen und Nachdenken, das muß wahr sein.Jndeß will ich ihn nicht ungehört tadeln, und will auch nicht ander männlichen Festigkeit eines Charakters zweifeln, den ich sooft gegen dich erhoben habe- Wäre er fähig zu zweifeln, zufürchten, oder nur im geringsten treulos zu sein, so würde ichwenig zu klagen haben.

Du wirst sagen, warum ich, wenn ich so feste und unwan-delbare Beständigkeit von einem Geliebten erwarte, so ängstlichbekümmert sei, was Hazlewood thue, oder wem er seine Huldi-gungen darbringe? Ich lege mir selbst diese Frage täglichhundert Mal vor, und erhalte immer nur die sehr thörichteAntwort, daß man sich nicht gern vernachlässigt sieht, wennman auch zu einer ernstlichen Untreue nicht ermuntern möchte.

Ich schreibe all diese Kleinigkeiten, weil du sagst, sie unter-halten dich, was ich freilich kaum begreifen kann. Ich erinneremich, wie du bei unfern Reisen in die Welt der Dichtung immernur das Große und Romantische bewundertest Erzählungenvon Rittern, Zwergen, Riesen, bedrängten Fräulein, Erscheinun-gen, winkenden Geistern und blutigen Händen, während michnur die Verwickelungen des gemeinen Lebens intcressirten, oderhöchstens nur so viel Wunderbares, als die Thätigkeit eines morgen-