34
Kanonenkugel, nämlich seinen Kopf, ihrer Besichtigung überließ;Brown gedachte dabei, daß er den Regimentsfcldscher weit ernsterauf viel geringere Verletzungen hatte blicken sehen. DieguteFrauzeigte indeß einige Kcnntniß der Chirurgie — sie schnitt mit ihrerSchecre die blutigen Locken weg, die so steif und zusammengeklebtwaren, daß sie ihren Operationen im Wege standen, darauf legtesie etwas Linnen auf die Wunde, welches mit einem Wundbalsambestrichen war, der im ganzen Thale als Universalmittel galt(denn die Jahrmarktnächte boten reiche Gelegenheit, in dergleichenErfahrung zu sammeln); sodann befestigte sie ihrPflaster miteinerBinde und zog, trotz alles Widcrstrebens des Patienten, über dasGanze eine Nachtmütze, um jeglich Ding am rechten Platze zubewahren. Einige Contusionen an Stirn und Schultern wuschsie mit Branntwein, welches der Patient aber nicht eher ge-stattete, als bis von der Medicin seinem Munde ein reichlicherZoll gezahlt war. MrS. Dinmont bot nun mit einfältigerFreundlichkeit auch Brown ihren Beistand an.
Er versicherte ihr, daß er weiter nichts bedürfe, als einWaschbecken und ein Handtuch.
„Ach, und daran sollt' ich doch eher gedacht haben," sagte sie,„und ich dachte auch wohl dran, aber ich durfte die Thür nichtaufmachen, denn die armen Schelme, die Jungen, sind alledraußen und brennen vor Begierde, ihren Vater zu sehn."
Dies erklärte das laute Trommeln und Wehklagen vor derThür des kleinen Gemachs, worüber Brown einigermaßen er-staunt gewesen war, obwohl seine freundliche Wirthin weiternichts dagegen that, als daß sie den Riegel vorschob, sobalddas Lärmen begann. Als sie aber die Thür öffnete, umWaschbecken und Handtuch zu suchen (denn cs kam ihr nichtin den Sinn, dem Gast ein besonderes Zimmer anzuweisen),da strömte eine Fluth weißköpfiger Kinder herein, einige vom