Heinrich Seyton," sprach sie. „Ihr sollt diesem Jünglingedie Hand reichen, welcher mein Entkommen so trefflich beför-dert hat."
„Herzlich gern, Madame," erwiderte Sehton, „voraus-gesetzt, daß der junge Mensch mir den Gefallen thut, nichtdie Hand einer andern Person Namens Seyton zu berühren,welche er kennt. Meine Hand hat ihm seiner Zeit als dieihrige gegolten, und um meine Freundschaft zu gewinnen, mußer auf den Gedanken verzichten, meine Schwester zu lieben."
„Heinrich Seyton," sprach die Königin, „ziemt cs Euch,die Befolgung meines Befehls an Bedingungen zu knüpfen?"
„Madame," erwiderte Heinrich, „ich bin der Diener vonEw. Majestät Thron und Sohn des treusten Mannes inSchottland. Unsere Güter, unsere Schlösser, unser Blut ge-hören Euch. Unsere Ehre muß uns bleiben. Ich könnte mehrsagen, aber — "
„Sprich nur weiter, grober Junge," sprach die Königin.„Was hilft es, daß ich aus Lochleven erlöset bin, wenn ich sounter das Joch meiner vorgeblichen Befreier gebeugt werdensoll, und wenn man mich außer Stand sehen will, einemMenschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, welcher sich ebenso sehr um mich verdient gemacht hat, wie Ihr?"
„Ereifert Euch nicht so um mich, Durchlauchtigste Frau,"nahm Roland das Wort. „Dieser junge Herr besitzt, als treuerDiener Ew. Majestät und als Bruder von Katharine Seyton,Eigenschaften, welche die größte Heftigkeit meiner Leidenschaf-ten beschwören müssen."
„Ich warne dich nochmals," rief Heinrich Seyton in ge-bieterischem Tone, „dir keine Ausdrücke zu erlauben, welcheandeuten könnten, daß die Tochter des Freiherr» von Seyton