offen zu behalten, für den Augenblick treu zu bleiben, und sichzur Ruhe begab. Sie erwachte erst spät am Morgen wieder.
Ihr erstes Gefühl beim Erwachen war ein Zweifel, ob siefrei sei. Sie fuhr aus dem Bette empor, warf hastig denMantel um die Schultern und eilte an's Fenster. Welch froherAnblick! Statt der einförmigen Krystallsläche des Lochleven,sah sie eine Wald- und Marschgcgend vor sich und in demParke um das Schloß erblickte sie die Schaaren ihrer treuestenund liebsten Großen.
„Steh' auf, steh' auf, Katharine!" rief die entzückte Für-stin; „steh' auf und komm hieher! Hier sind Schwerter undSperre in guten Händen und schimmernde Rüstungen übertreuen Herzen. Hier sind Banner, Mädchen, vom Winde be-wegt, leicht wie Sommcrwölkchen. Großer Gott! welche Lustfür meine matten Augen, ihre Wahlsprüche zu lesen, — diedeines braven Vaters, — die der fürstlichen Hamiltons, —der treuen Flemings. Sieh! sich! sie haben mich bemerkt unddrängen sich nach dem Fenster!"
Sie riß das Fenster auf und erwiderte mit ihrem entblöß-ten Haupte, von welchem die Locken lose und verwirrt herun-terhingen und mit ihrcin, kaum durch den Mantel verhüllten,schönen Arme nickend und winkend den Jubelruf der Kriegs-männcr, welcher weithin widerhallte. Nachdem der erste Aus-bruch des Entzückens bei ihr vorüber war, siel es ihr ein, wieleicht sie bekleidet sei. Sie hielt die Hände vor das erröthendeGesicht und zog sich eilig vom Fenster zurück. Die Ursacheihrer Entfernung wurde errathen und vermehrte die Begeiste-rung für eine Fürstin, welche über dem Eifer, die Dienste ihrerUntcrthanen anzuerkennen, ihren Rang vergessen hatte. Dieschmucklose Schönheit des liebenswürdigen Weibes ergriff diekriegerischen Zuschauer mehr, als es die vollste Entfaltung ihrer