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dem Kirchhof jenseits des Sees blickte und ausrief: „Ich seheLcichenlichter in der Gruft!" Frau von Lochleven war nichtganz frei von dem Aberglauben der Zeit. Das Schicksal ihrerSöhne hatte gemacht, daß sie nicht gleichgültig gegen Vorbe-deutungen war. Ein sogenanntes Leichcnlicht aber in der Fa-miliengruft verkündete Tod. Sie wandte das Gesicht nach demFenster, sah einen fernen Schimmer, vergaß für einen Augen-blick, was sie zu bewahren hatte, und in diesem Augenblickging für sie die Frucht all ihrer früheren Wachsamkeit verloren.Der Kammcrjunker, welcher die nachgcmachten Schlüssel unterdem Mantel hatte, vertauschte sie blitzschnell mit den wahren.Mit der größten Behutsamkeit konnte er doch ein leises Klirrenbeim Aufheben der letzteren nicht verhüten. Die Burgfrau rief:„Wer greift die Schlüssel an 1" und während Roland antwor-tete: „Ich bin mit dem Mantel daran hängen geblieben," sahsie hin, nahm das daliegende Bund zu Händen und wandtesich dann wieder gegen das Fenster, um nach den vermeintli-chen Leichenlichtern zu sehen.
„Ich glaube," sagte sie nach einigem Besinnen, „dieserSchimmer kommt nicht vom Kirchhof, sondern von der Hüttedes alten Gärtners Blinkhoolie. Ich möchte wissen, was derKerl treibt, daß er seit einiger Zeit immer bis spät in die Nachthinein Licht hat. Ich habe ihn für einen fleißigen, friedlichenMann gehalten. Wenn er aber anfängt, Tagediebe und Nacht-schwärmer zu Herbergen, muß er fort."
„Vielleicht macht er Reusen," bemerkte der Kammerjunker,um ihren Argwohn zu beschwichtigen.
„Oder vielleicht Netze? Nicht wahr?" fügte die Burg-frau hinzu.
„Ja, Madame," antwortete Roland, „für Forellen undSalinen."