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„Sei ruhig, Katharine," sprach die Königin, „du sollstmir meinen wackeren Ritter nicht durchhecheln. Mit Heinrichals meinem Ritter und mit Roland Gracme als meinem treuenKnappen komme ich mir vor, wie eine Prinzessin im Romane,welche bald den Kerkern und Waffen aller verruchten Zauberertrotzen kann. — Aber der Kopf thut mir weh von der heuti-gen Aufregung. Hole mir lm iVler eles Histoires und fahreda fort, wo wir letzte Mittwoch stehen geblieben sind. — Un-sere liebe Frau behüte deinen Kopf, Mädchen, oder vielmehrdein Herz! Ich habe von dir das Meer der Geschichten ver-langt, und du hast l-u 6Iironi<ius ck'^mour gebracht!"
Aus dem Meere der Geschichten herumfahrend, arbeitetedie Königin an ihrer Stickerei fort, während Frau Flemingund Katharine ihr zwei Stunden lang abwechselnd vorlasen.
Roland Graeme hatte vermuthlich seine Gedanken mehrauf Amors Chronik gerichtet, trotz dem Tadel, welchen dieKönigin über dieses Studium ausgesprochen zu haben schien.Es sielen ihm jetzt tausenderlei Eigenheiten der Stimme undder Manieren ein, an welchen er, wäre er weniger fest in sei-ner vorgefaßten Meinung gewesen, sehr wohl den Bruder vonder Schwester hätte unterscheiden können. Er schämte sich, daß er,der die geringsten Eigenheiten in Katharinens Geberden, Wor-ten und Manieren kannte, sich durch ihre Lebhaftigkeit undUngezwungenheit verleiten lassen konnte, sie für fähig zu hal-ten, den raschen Gang, den lauten Ton und die kecke Zuver-sicht anzunehmen, die zu ihres Bruders männlichen Charaktersehr wohl paßten. Wiederholt bemühte er sich einen Blick Ka-tharinens zu erhaschen, um zu ermessen, wie sie von ihmdächte, seitdem sie das Geheimniß offenbart hatte. Aber cs ge-lang ihm nicht; den» entweder las sie, oder wenn sie es nichtthat, schien sie den Thaten der deutschen Ritter gegen die Hei-