Vielleicht erfahren wir so Etwas über bas Gcheimmittel, wel-ches sie sich unterstanden hat, wider das Gesetz und wider dieRegeln der Kunst bei diesen Frauen anzuwcnden durch Ver-mittelung des Hofmeisters Dryfesdale."
„Für einen Narren," erwiderte die Frau von Lochlcven,„hast du einen weisen Rath gegeben. Ich will meinen Zornzügeln, bis ihre Besprechung vorüber ist."
„Verhüt' es Gott, geehrte Frau, daß Ihr ihn länger zu-rückhaltet," sprach der Doctor. „Nichts könnte mehr Euremhohen Wohlergehen schaden. Und wirklich, wenn hier Zaube-rei mit unterläuft, so ist die Meinung im Volke und selbstvon gründlichen Schriftstellern über Dämonologie, daß dreiScrupel von der Asche der Hexe, wenn sie sorgfältig an einemPfahle verbrannt worden ist, in Fällen, wie der vorliegende,eine Universalarznei sind, gerade wie man im Falle der Was-serscheu criliis cnnis rad'uU, das ist: ein Haar von demHunde, der den Patienten gebissen, zu verschreiben pflegt. Ichwill weder das eine noch das andere dieser beiden Mittel ver-bürgen, denn sie liegen außer der regelmäßigen Praxis derSchulen; doch im vorliegenden Falle möchte es unbedenklichsein, die Probe mit dieser alten Bcschwörerin und Quacksalbc-rin zu machen, kiat experüiientuin in corporo vili, pflegenwir zu sagen."
„Schweig, Narr!" cntgegnete die Burgfrau. „Eben willsic sprechen."
Magdalene Graeme war eben aufgestanden und hatte ihrGesicht der Königin zugekehrt. Den einen Fuß versetzend unddie rechte Hand ausstreckend, glich sie einer Sibylle in Ver-zückung. Ihr graues Haar hing lang unter ihrer Haube her-vor, ihr Auge strahlte Feuer unter den buschigen Brauen, undauf ihren hageren Zügen drückte sich eine an Wahnsinn gren-