Zweiunddreißigstes Kapitel.
Es ist der Fluch der Könige, von SclavenUmringt zu sein, die ihre Launen deutenAls Vollmacht zur Verübung blut'ger THat,
Und nach dem Wink der herrschenden GewaltAuslegen ein Gesetz.
Die Frau von Lochlevcn saß allein in ihrer Kammer, mitaufrichtigem aber unzureichendem Eifer bemüht, ihre Augenund ihre Aufmerksamkeit auf die dicken deutschen Buchstabeneiner Bibel zu richten, welche in gestickten Sammet gebundenund mit schweren silbernen Ecken und Schlössern verziert vorihr lag. Vergeblich waren ihre größten Anstrengungen, denGang ihrer Gedanken von Dem abzulcnken, was in vergan-gener Nacht zwischen ihr und der Königin vorgefallcn war,und das Rachegcfühl gegen Marien zu unterdrücken, welchesie an ihren frühen und lange bereuten^ Fehltritt erinnerthatte.
„Warum," sprach sie, „sollt' ich so sehr darob zürnen,daß ein Anderer mir das zum Borwurfe macht, worüber ichselber mich unablässig tadele? Aber wie kommt gerade diesWeib, welches die Früchte meiner Thorheit geerntet und mei-