war ihr nicht gegeben, Mitleid zu verweigern, zumal einemwackeren jungen Manne, der für sic gelitten hatte, wenn erauch von einer zu hochstrebcndcn Leidenschaft getrieben wordenwar. Bielleicht ohne daß sie es wußte, entschlüpften ihr dieWorte: „Armer Douglas!" als sic sich in den Sessel zurück-lchnte und ihr Tuch vor die Augen hielt-
„Ja, gnädigste Frau," begann Katharine in munteremTone, um ihre Königin aufzuheitern, „unser wackerer Ritterist verbannt, aber er hat einen jungen Knappen zurückgelaffen,der eben so sehr dem Dienste Ew. Durchlaucht geweiht ist, undder Euch durch mich seine Hand und sein Schwert anbictet."
„Wofern Beide irgend Ew. Durchlaucht dienen können,"fügte Roland mit einer tiefen Verbeugung hinzu.
„Ach!" sprach die Königin, „wozu das, Katharine? Wozuneue Opfer bereit machen, um in mein grausames Geschick ver-flochten und durch dasselbe zu Grunde gerichtet zu werde» ?Thäten wir nicht besser, das Ringen nach Rettung aufzugcbenund ohne weiteren Widerstand in die Fluth zu sinken, als somit in unser Verderben jedes edle Herz zu ziehen, welcheseinen Versuch zu unseren Gunsten macht? — Ich habe inmeinem Leben schon zu viel Complotte und Jntrigucn um michgehabt. Während ich als vaterloser Säugling in der Wiegelag, stritten sich die Großen, wer im Namen des Kindes, dasvon Nichts wußte, regieren sollte. Es wäre wirklich Zeit, daßdies gefährliche Getreide ein Ende nähme. Laßt mich meinenKerker ein Kloster nennen und meine Einspcrrung eine frei-willige Zurückgezogenheit von der Welt und ihrem Thun!"
„Sprecht nicht so, Madame, vor Euren treuen Dienern,"nahm Katharine das Wort. „Damit erkältet Ihr nicht nurihren Eifer, sondern Ihr brecht ihnen auch das Herz. Toch-ter von Königen, sei nicht in dieser Stunde so unköniglich! —