dient, braucht seine Werbung nicht mit den hochtrabenden Ge-meinplätzen romantischer Leidenschaft anzubringen — das Weib,welches er mit seiner Liebe beehrt, wird seine Schuldnerin, undsie ist verpflichtet, durch Gegenliebe seine herrliche Arbeit zu be-lohnen."
„Ihr besitzt einen herrlichen Preis für solche Arbeit," sprachder Jüngling, seine trunkenen Blicke auf sie heftend.
„Rur ein Herz, welches sie zu schätzen weiß," erwiderteKatharine. „Wer diese mißhandelte Fürstin aus dem Kerkererlöset?, und sie in den Kreis ihrer treuen und kriegerischenGroßen brächte, deren Herzen vor Verlangen brennen, sie zubewillkommnen — welches Mädchen in Schottland würde sichnicht durch die Liebe eines solchen Helden geehrt finden, wäresie auch aus königlichem Geblüte, und er der Abkömmling desärmsten Hüttenbewohners, der je einen Pflug lenkte!"
„Ich bin entschlossen zu der Unternehmung," rief Roland.„Doch sagt mir erst, schöne Katharine, und sprecht, als obIhr einem Priester beichtetet — diese arme Königin, ich weiß,sie ist unglücklich, — aber, Katharine, haltet Ihr sie für schuld-los? Man legt ihr Mord zur Last."
„Halt' ich das Lamm für schuldig, weil der Wolf es an-sällt?" entgegncte Katharine. „Halte ich die Sonne dort fürbefleckt, weil ein Erdcnnebcl ihre Strahlen verdüstert?"
Roland seufzte und blickte zur Erde. „Wollte Gott, meineUeberzcugung wäre so fest, wie die Eurige! Doch Eins istklar: mit dieser Gefangenhaltung geschieht ihr Unrecht. Siehat sich auf einen Vertrag hin ergeben, und man hat ihr dieBedingungen nicht gehalten. Ich will kämpfen für sie aufTod und Leben!"
„Wollt Ihr? — wollt Ihr wirklich?" fragte Katharine,ihrerseits seine Hand ergreifend. „Oh, seid nur fest, wie Ihr