Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44

dem iiinern Gemach in ihrer gewöhnlichen Kleidung, und Nichtsin ihrem Benehmen deutete auf die Uebcreilung und Verwir-rung, welche von dem Plötzlichen Wechsel einer VerkleidungUnzertrennlich ist, noch auch auf die Bcsorgniß, bei einem gefähr-lichen Unternehmen entdeckt zu werden. Roland Granne machteeine Verbeugung Hegen sie. Das Kammerfräulein erwidertedieselbe mit einer Unbefangenheit, welche er gar nicht mit demzusammenreimcn konnte, was er an diesem Tage gesehen hatte.Sie wird sich doch nicht einbilden," dachte er,sie könnemich durch Keckheit dahin bringen, daß ich meinen Augen nichtmehr traue, wie sie es in Betreff der Erscheinung in der Her-berge zum S. Michael versucht hat. Ich will doch sehen, obich sie nicht empfinden lassen kann, daß dies vergebliche Mühe,und daß es klüger und sicherer ist, mir Vertrauen zu schenken."

Diese Gedanken waren ihm rasch durch den Kopf gegangen,als die Königin, nach Beendigung ihres Wortwechsels mit derFrau von Lochleven, ihn wieder anredete.Nun, Roland,wie war es bei dem Fest zu Kinroß? Mich dünkt, eS ginglustig her, .wenn ich darauf schließen darf aus einigen schwa-chen Tönen von Jubel und Musik, welche bis zu diesen ver-

gitterten Fenstern herüberdrangcn und beim Eindringen indieselben erstarken, wie es Alles muß, was froh und heiterheißt. Aber du siehst ja so ernsthaft aus, als ob du aus einemHugenottenconventikel kämest."

Das könnte der Fall sein, Madame," nahm die Burg-frau das Wort, gegen welche dieser Scitenhicb gerichtet war.Ich hoffe, unter den unnützen Possen dort fehlte es auchnicht ganz an der Spendung der Lehre, die einen besseren

Zweck hat, als die eitle Lust, welche aufflammt und schwindet

gleich den knisterndeü Dornen, und den ihr ergebenen ThorenNichts als Staub und Asche zurückläßt."