Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

3 V

sein Gemüth gemacht hatten, auf der anderen Seite ließ erbeiläufig und fast unwillkürlich seinen Beichtvater den Einflußerkennen, welchen Katharine Seyton auf ihn gewonnen hatte.

Mit Freuden," sprach der Abt,sehe ich, thcurer Sohn,daß ich noch zu rechter Zeit gekommen bin, um dich am Randedes Abgrundes zurückzuhalten, dem du dich genähert hast.Die Zweifel, über die du klagst, sind das Unkraut, welchesvon selbst in einem guten Boden aufschießt und die sorgsameHand des Ackermanns zu seiner Ausrottung erfordert. Dumußt fleißig ein Büchlein lesen, welches ich dir gelegentlichzukommen lassen werde, und worin ich, unter dem BeistandUnserer lieben Frauen, die zwischen uns und den Ketzern strei-tigen Punkte beleuchtet und gezeigt habe, daß diese Ketzer das-selbe Unkraut offen unter den Weizen säen, welches ehedemdie Albigenser und Lollharden heimlich unter denselben mengten.Aber nicht allein durch Gründe darfst du hoffen, diese Ein-flüsterungen des bösen Feindes zu überwältigen. Dies muß zu-weilen durch rechtzeitigen Widerstand, öfter aber noch durchrechtzeitige Flucht geschehen. Du mußt deine Ohren verschlie-ßen gegen die Gründe des Erzketzcrs, wenn die Umstände dirnicht »erstatten, seine Gesellschaft zu meiden. Richte deineGedanken fest auf den Dienst Unserer lieben Frauen, währender seine ketzerischen Sophismen zum Besten giebt. Bist duaußer Stande, deine Aufmerksamkeit bei himmlischen Dingenfestzuhaltcn, so denke lieber an deine irdischen Vergnügungen,als daß du Gott und die Heiligen in Versuchung führen solltestdurch Horchen auf die Irrlehre. Denk' an deinen Habicht,deinen Hund, deine Angelruthe, dein Schwert und deinenSchild denke meinetwegen an Katharine Seyton, eher alsdaß du deine Seele den Lehren des Versuchers öffnest. Ach!glaube n'cht, mein Sohn, daß ich, abgehärmt und gebeugt,