178
„Nein, armer Junge," antwortete die Königin. „Aberals Ihr die Seen und Flüsse meines Königreichs aufzähltet,täuschte mich meine Einbildungskraft und entrückte mich ausdiesen traurigen Mauern hin zu den romantischen Bächen vonNithsdale und zu den königlichen Thürmcn von Lochmaben.O Land, das meine Väter so lange beherrscht haben! DerVergnügungen, die du so reichlich heutst, ist deine Königin nunberaubt, und der ärmste Bettler, welcher frei von einer Stadtdes Binnenlandes zur andern wandern darf, würde es verschmä-hen, mit Marien von Schottland zu tauschen!"
„Ew. Hoheit," bemerkte Frau Fleming, „wird wohlthun,sich zurückzuziehcn."
„Kommt denn mit mir, Fleming," sprach die Königin.„Ich möchte nicht junge Herzen, wie diese, mit dem Anblickemeines Kummers beschweren."
Diese Worte mit einem schwcrmüthig thcilnehmenden Blickeauf Roland und Katharine begleitend, ließ sie diese Beiden alleinin dem Gemache.
Roland befand sich in Verlegenheit. Jeder Leser, der sichje in einer ähnlichen Lage befunden hat, wird wissen, wie schwercs ist, die volle Würde des Beleidigten einem schönen Mädchengegenüber zu behaupten, welche Gründe man auch immer habenmag, ihr zu zürnen. Katharine Seyton ihrerseits saß still, wieein der Erlösung harrender Geist, der, wohl wissend, welchesGrauen seine Erscheinung erweckt, gern dem armen Sterblichen,den er heimsucht, Zeit läßt, sich zu sammeln und, der Haupt-regcl der Geisterlehre gemäß, zuerst zu sprechen. Da aber Ro-land sich nicht zu beeilen schien, von ihrer Herablassung Ge-brauch zu machen, ging sie einen Schritt weiter und eröffneteselber das Gespräch.
„Schöner Herr, wenn es mir verstattet ist, Euer erhabenes