129
tcln und die Krone von dem Haupte zu nehmen, auf welchesGott sie gesetzt hat?"
„Madame," antwortete Ruthven, „ich will offen mit Euchreden. Eure Regierung ist von dem Unglückstage von Pinkie-clcuch, wo Ihr ein Wicgenkind wäret, bis jetzt, wo Ihr alseine erwachsene Dame vor uns stehet, ein solches Trauerspielvon Verlusten, Unglücksfällen, Bürgerzwist und Krieg nachAußen gewesen, daß sich stines Gleiche» nicht in unseren Jahr-büchern findet. Franzosen und Engländer haben aus Schott-land einen Kampfplatz gemacht, um darin ihren alten Streitauszufechten. Bei uns ist eines jeden Mannes Hand widerseinen Bruder gewesen; kein Jahr ist vergangen ohne Empö-rung und Gemetzel, Verbannung der Großen und Unterdrückungder Geringe». Wir können das nicht länger ertragen, unddarum bitten wir Euch, als eine Fürstin, der Gott die Gabeversagt hat, auf weisen Rath zu hören, und auf deren Thunund Vornehmen nie ein Segen geruht hat, Platz zu machenfür anderweite Regierung des Landes, auf daß gerettet werde,was noch übrig ist von diesem zerrütteten Reiche."
„Edler Herr," entgcgnete Maria, „es scheint, Ihr werftauf mein dem Verderben geweihtes Haupt diejenigen Uebel,welche Ihr mit weit größerem Recht Euren eigenen unruhigen,wilden und unbändigen Gemüthcrn zuschriebet — der wahn-sinnigen Heftigkeit, mit welcher Ihr, die Großen Schottlands,einander befehdet, vor keiner Grausamkeit zurückschaudernd, umEuren Grimm auszulaffen, schwere Rache nehmend für geringeBeleidigungen und den weisen Gesetzen trotzend, welche EureVorfahren gemacht haben, um solcher Grausamkeit zu steuern,Euch empörend wider die gesetzmäßige Gewalt und Euch sobetragend, als wäre kein König im Lande, oder vielmehr, alswäre Jeder König auf seinem Gehöft. Und nun werft Ihr
Oer Abt. ll. y