Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

!)V

pfehlung geschickt wird. Ihre Kammerfrauen hat sie selberernannt, es wäre zu hart gewesen, ihr dies Recht streitigzu machen, obwohl Einige die Gestattung desselben für unpo-litisch gehalten haben. Du bist jung und hübsch. Nimm Lheilan ihren Thorheiten und habe Acht, daß sie nicht ernste Pläneunter dem Scheine weiblichen Leichtsinns verbergen. Wenn sicminiren, so mache du Gegenminen. Im Uebrigen beobachte allenAnstand und alle Ehrerbietung gegen deine Gebieterin. Sie isteine Fürstin, obwohl eine höchst unglückliche, sic ist Königingewesen, obwohl sic cs leider nicht mehr ist. Erweise ihr dem-nach alle Ehre und Achtung, die sich mit der Treue gegen denKönig und gegen mich verträgt. Und nun, lebe wohl! Nochein Wort. Du reisest mit dem Frcihcrrn Lindcsay, einem Mannevon der alten Welt, rauh und ehrlich, aber ungebildet. Hüte dich,ihn zu reizen, denn er versteht keinen Spaß, und du bist, wie ichhöre, ein Galgenstrick." Er begleitete die letzteren Worte miteinem Lächeln, und bemerkte dann noch halb für sich:Ich hättegewünscht, Herrn Lindcsay's Sendung wäre einem andern, sanf-teren Herrn aufgctragen worden."

Und warum das, gnädiger Herr?" fragte Morton, in dasZimmer cintretend.Der Staatsrath hat sehr wohl gethan,ihn zu ernennen. Wir haben zu viele Beweise von der Hart-näckigkeit dieser Frau. Das Eichenholz, welches der fcingeschärf-ten stählernen Axt widersteht, muß mit dem rauhen eisernenKeil gespalten werden. Und das hier soll ihr Kammerjunkerwerden? S. Gnaden, der Herr Regent, hat Euch ohne Zwei-fel unterwiesen, wie Ihr Euch in diesem Geschäfte zu verhaltenhabt. Ich meines Thcils will nur eine kleine Bemerkung hin-zufügen. Ihr geht nach dem Schlosse eines Douglas, wo Ver-rath nimmer gedeiht. Der erste Augenblick des Verdachts wirdder letzte Eures Lebens sein. Mein Verwandter, Wilhelm Dou-