216
bci Dame Martin, der Wirthin, aufzusuchen, und der Edel-knabe und der Ritter blieben allein in dem Gemach. HerrHalbert ging einige, Augenblicke schweigend auf und ab undredete dann den jungen Menschen folgendermaßen an:
„Du wirst bemerkt haben, Bürschchendaß ich nie großeAufmerksamkeit für dich an den Tag gelegt habe, — ich sehe,das Blut steigt dir zu Kopfe, aber sprich nicht eher, als bisich ausgeredct habe. Ich sage, ich habe dich nie sehr ausge-zeichnet, nicht als ob nichts Lobenswerthes an dir wäre, son-dern weil ich Tadelhaftcs an dir sah, was durch Lob hätteverschlimmert werden können. Deine Gebieterin, welche in ih-rem Haushalt freie Hand hat, was ihr so gut, wie nur irgendeiner Frau zukommt, hat dich vor den Ucbrigcn ausgezeichnetund dich mehr wie einen Verwandten, denn wie einen Dienerbehandelt. Bei dieser Auszeichnung hast du zwar einige Eitel-keit und Muthwillen gezeigt, allein ungerecht wäre cs, zuverschweigen, daß du im Lernen und in deiner Erziehung Fort-schritte gemacht, und daß du manche Funken eines edlen undmannhaften Sinnes hast merken lassen. Unedel wär' cs, dichhülflos in die Welt hinauszustoßen, nachdem man dich zu ei-nem launenvollcn und heftigen Wesen erzogen hat; die Handvon dir abzuziehen, weil du die Reizbarkeit und den Wider-willen gegen Zurechtweisung an den Lag gelegt hast, die Folgeder allzunachsichtigcn Behandlung sind. Darum und um derEhre meines Haushalts willen bin ich entschlossen, dich inmeinem Gefolge zu halten, bis ich dich anderweitig anständigund so untcrbringen kann, daß Aussicht ist, du werdest mitEhre durch die Welt gehen und zum Ruhm des Hauses, wel-ches dich erzogen hat."
Wenn in Herrn Halberts Rede Manches war, was Ro-lands Stolze schmeichelte, so enthielt sie auch Vieles, was nach