Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
208
Einzelbild herunterladen
 

208

Die Kirche wurde mit glimmender Wolle und Federn, stattWeihrauch, geräuchert, in die Weihkessel wurde schmutzigesWasser geschüttet, und der .Abt trat aus den Altar und laseine Narrenmcsse. Dazu wurden unanständige Parodieen aufKirchenlieder in der Weise dieser gesungen, und alle Gewänderund Geräthe der Abtei, welche dem Haufen in die Hände fie-len, entweiht. Indem die Vermummten alle möglichen tollenStreiche trieben, welche die Laune des Augenblicks eingab, ver-fielen sie endlich auch auf zerstörenden Muthwillen. Kunstrei-ches Schnitzwcrk wurde heruntcrgerissen und zertrümmert, ge-malte Fenster, welche bei früheren Verwüstungen verschontgeblieben waren, wurden eingeschlagen und bei den sorgfälti-gen Nachsuchungen nach Götzenbildern begann eine Zerstörungdes Restes der auf den Gräbern und um die Karnieße derPfeiler noch vorhandenen Bildhauerarbeitcn.

Die Lust am Verwüsten wächst wie andere Neigungen,wenn man sich ihnen hingiebt. Der ungestümere Theil derVersammlung dachte schon darauf, von diesem geringeren Un-fuge zu einer Zerstörung im größeren Maßstab überzugehen.Laßt uns das ganze alte Nest ausheben;" schrien sie.Zulange har es dem Papste und seinen Krähen gedient!" Unddamit stimmten sie folgenden Gassenhauer an:

Der Papst zu Nom, der stolze Heid',

Hat uns zu lang verblendet.

Da wo der Blind' den Blinden leit't,

Der Weg in Zrrsal endet.

In keiner Tuck'

Blieb er zurück,

. ' That's Fürst und König gleich.

Singt: Juchhe! Heisasa!

Unter dem Waldgczweig."