„Meine Kinder!"-begann Abt Ambrosius.
„Auch meine Kinder — und glückliche Kinder sind sie!"unterbrach ihn sein schnurriges Gcgcnbild. „Manch klugesKind kennt seinen eignen Vater nicht, und cs ist gut, wennsie zwei haben, um wählen zu können."
„Wenn du noch irgend etwas Anderes in dir hast, alsSpotten und niedrige Possen," versetzte der wirkliche Abt; „soerlaube mir, zum Besten deiner eignen Seele, ein paar Wortezu diesen irregeleiteten Menschen zu reden."
„Irgend etwas Anderes in mir, als Spotten, sagst du?"cntgegnete der Abt von Unsinn. „Ei, hochwürdiger Bruder,ich habe Alles, was meinem Amte zukcmmt, Rindfleisch, Bierund Brantcwein, sammt anderen Würzen, so nicht der Er-wähnung werth sind. Und was das Reden betrifft, ei, Alter,so rede, und wir wollen dann linksum machen, wie ehrlicheGesellen."
Während dieses Gesprächs war der Zorn der alten Mag-dalcnc aufs Höchste gestiegen. Sie näherte sich dem Abte, stelltesich neben ihn und sprach leise, aber vernehmlich: „Wach aufund erhebe dich, Vater! Sanct Peters Schwert ist in deinerHand. — Schlage, und räche Sanct Peters Erbtheil! Bindesie mit den Ketten, welche von der Kirche auf Erden befestigt,auch im Himmel befestigt sind!"
„Ruhig, Schwester!" sprach der Abt. „Laß ihre Verrückt-heit nicht unsere Besonnenheit zerstören. Ich bitte dich, schweige,und laß mich thun, was meines Amtes ist. Es ist das erste,vielleicht auch das letzte Mal, daß ich berufen bin, cs zuüben."
„Nein, heiliger Bruder!" sprach Eulenspicgcl; „ich ratheEuch, folgt den Worten der heiligen Schwester. Nimmer ge-deiht ein Kloster ohne weiblichen Rath."